Mazedonien: Skepsis über "Durchbruch"

3. August 2001, 10:02
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Tiefes Misstrauen gegenüber der Nato

Das slawische Mazedonien gab sich am Donnerstag der nationalen Festtagsstimmung hin. Der Nationalfeiertag "Eliastag" markiert den Jahrestag des Aufstands der slawischen Mazedonier gegen die Türken-Herrschaft im Jahre 1903. Die daraus erstandene "Republik von Krusevo" dauerte zwar nur zehn Tage, ehe sie von den Osmanen ausgelöscht wurde, sie wird jedoch als Vorläufer des mazedonischen Nationalstaates in Ehren gehalten.

In der Villa Biljana am Ohrid-See verhandeln seit letztem Samstag in einer Art Konklave - unterbrochen nur durch den Eliastag - die politischen Parteien um eine Lösung des Mazedonienkonflikts. Die am Mittwoch erzielte Teileinigung über die Modalitäten des amtlichen Gebrauchs der albanischen Sprache wurde von Beobachtern vorschnell als "Durchbruch" gefeiert.

Die Lage ist komplizierter. "Ich habe mit dieser Einigung gerechnet", meint der Publizist Saso Ordanoski, Herausgeber des unabhängigen Zweiwochenblattes Forum. "Das Problem liegt auf einer anderen Ebene", fügt er hinzu.

Die slawischen Mazedonier misstrauen zutiefst dem gesamten Lösungspaket, das sich abzeichnet. Zwar werden Nato-Truppen in die freiwillige Entwaffnung der U¸CK-Rebellen eingebunden, aber lediglich als mitzählende Einsammler ohne Durchsetzungsbefugnisse. Doch schon im Kosovo, wo sich die kosovarische U¸CK nach dem Nato-Einmarsch im Juni 1999 zur Waffenabgabe verpflichtet hatte und die Nato-Friedenstruppe Kfor über ein harsches Durchsetzungsmandat verfügt, scheiterte die Entwaffnung der Rebellen kläglich.

So wie im Kosovo die Hälfte der Serben nach dem Nato-Einmarsch vertrieben wurde, so werde in den albanisch besiedelten Teilen Mazedoniens "der Druck auf die ethnischen Mazedonier steigen, die ethnische Säuberung von Mazedoniern mit niedriger Intensität weitergehen", so Ordanoski. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.8.2001)

STANDARD- Mitarbeiter Gregor Mayer aus Skopje
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