Journalisten klagen über Druck von Seiten der DOS

2. August 2001, 17:35
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"Regierung versucht ihren Wunsch nach Medienkontolle immer weniger zu verbergen"

Belgrad - Medienvertreter in Jugoslawien bekunden immer häufiger ihre wachsende Unzufriedenheit mit dem Verhalten der regierenden DOS-Parteien, die ihren Wunsch nach Medienkontrolle immer weniger zu verbergen suchen. Für eine öffentliche Diskussion sorgte dieser Tage die Ankündigung, dass die Chefredakteursstelle im serbischen staatlichen Radio- und TV-Sender neu ausgeschrieben wird, da sich der Verwaltungsausschuss bei einer vorherigen Stellenausschreibung für keinen Kandidaten entschließen konnte.

Zuerst wandte sich die Leiterin der Unabhängigen Journalistenvereinigung NUNS, Gordana Susa, an die Öffentlichkeit. Seit dem Regimewechsel im letzten Oktober ist Susa nach einer zehnjährigen Pause erneut im staatlichen TV-Sender tätig. Gleichzeitig leitet sie seit Jahren auch die TV-Produktion VIN (Wochenmagazin), die sich mit aktuellen Themen befasst. Susa war zusammen mit drei weiteren Kollegen um den Chefredakteursposten bemüht.

Mündliche Vereinbarungen

Die Redakteurin, die den TV-Zuschauern durch ihre Parlamentsberichte aus den achtziger Jahren in Erinnerung geblieben war, ist überzeugt, dass sie den erwünschten Posten wegen der fehlenden Unterstützung durch das DOS-Bündnis nicht bekommen hat. Laut Susa sei der Chefredakteursposten gemäß einer mündlichen Vereinbarung zwischen den DOS-Parteien einem Kandidaten der Demokratischen Partei Serbiens von Präsident Vojislav Kostunica vorbehalten, nachdem auch ein Kandidat der Demokratischen Partei den Direktorsposten erhalten hatte.

Zu Wort meldete sich unterdessen auch der Kandidat für den Direktorsposten im ebenfalls staatlichen TV-Sender Novi Sad. Auch Aleksandar Kravic behauptet, dass er den soeben ausgeschriebenen Posten nicht bekommen werde, da er keine Unterstützung der Partei von Kostunica bekommen habe.

Einen Teil der Schuld für dieses Verhalten der Behörden tragen nach Ansicht von Milorad Petrovic, ebenfalls ein Kandidat auf den Chefredakteurposten, die Journalisten selbst. Seiner Ansicht nach ist bei Journalisten der Wunsch stark präsent, "jemandem (einer DOS-Partei) zu gehören".

WAhlversprechen

Susa hatte im Vorjahr im Namen der Journalistenvereinigung mit den DOS-Parteien, noch vor ihrem Wahlsieg, eine "Konvention über das demokratische Verhalten der politischen Parteien zu den Medien" abgeschlossen, die eine Einmischung in die Redaktionspolitik - wie unter Slobodan Milosevic - verhindern sollte.

Die DOS-Parteien wollten sich in die Redaktionspolitik gar nicht einmischen, sie hätten nur Interesse daran, die Autoren dieser Politik zu bestimmen, stellte Miroljub Radojkovic, Professor an der Belgrader Fakultät für politischen Wissenschaften, in einer vom Mediazentrum veröffentlichten Analyse ironisch fest. (APA)

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