Lebenszeichen von Libro und Amadeus

3. August 2001, 13:49
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Millionenschwere Werbeoffensive gegen Umsatzeinbruch und Mitarbeiterschwund

Wien - Die defizitäre Libro- Nobelschiene Amadeus hat zu Monatsbeginn eine dreiwöchige, 3,8-Millionen-Schilling-Werbekampagne in den größten Tageszeitungen Österreichs gestartet. Einschlägige Lebenszeichen der Art: "I’m a survivor", "Optimisten leben länger" oder "Hurra, wir leben noch" zieren ganzseitige Farbinserate. Auch Libro investiert mehrere Millionen in Printwerbung, demnächst erscheinende 16-seitige Folder und großflächige Plakate.

Das Unternehmen muss, wie "jedes Unternehmen, das zu überleben versucht", nicht nur die Kosten-, sondern auch die Einnahmenseite in den Griff bekommen, sagt Amadeus-Chef Klaus Karnutsch. "Wir wollen transportieren, dass wir nach den ganz schlimmen Monaten April bis Juni wieder in alter Leistungsstärke da sind."

Sanierungsschritte eingeleitet

Kostenseitig sind die Sanierungsschritte eingeleitet: Von 30 Amadeus-Standorten sind seit der Schließung von Salzburg zu Beginn dieser Woche 29 verblieben, von denen weitere fünf bis sechs geschlossen werden. Von 630 Mitarbeitern müssen 80 bis 90 gehen, sagte Karnutsch. Bei Libro könnten dem Vernehmen nach bis zu 70 Filialen geschlossen werden. Daten dazu gibt es am 15. August nach einer Sitzung mit dem Ausgleichsverwalter.

Die Einnahmenseite zu stabilisieren dürfte schwieriger werden. Dem Vernehmen nach lagen die Amadeus-Umsätze im Juli um rund 20 Prozent hinter Plan, bei Libro um bis zu 40 Prozent. Libro- Vorstandssprecher Werner Steinbauer relativiert den Geschäftseinbruch: "Natürlich können wir die Pläne, die noch vom alten Vorstand stammen, nicht erfüllen. Der Einbruch ist aber in unserer Situation nicht dramatisch." Ein Banker kommentierte die Situation mit den Worten: "Faktum ist, dass die Umsätze hinter Plan liegen, aber noch nicht so krass, dass Hopfen und Malz verloren ist."

Personalschnitt in Guntramsdorf

Wie viele Leute bei Libro gehen müssen, ist unklar. Die Mitarbeiterfluktuation liegt in manchen Filialen bei 60 Prozent und darüber. Steinbauer spricht von einem "Durchschnittswert von 30 Prozent, wie überall im Handel". Fest steht, dass es zu einem massiven Personalschnitt in der Libro-Zentrale (Guntramsdorf) kommen wird, weil viele administrative Aufgaben von Billa übernommen werden.

Getrennt hat sich Libro zwischenzeitlich von Verkaufsleiter Helmut Scharf. Sein Nachfolger Johann Haiden kommt wie Libro-Vorstand Gerhard Maierhofer und der neue Einkaufschef Wolfdietrich Siller aus dem Billa-Reich.

Libro ging Ende Juni in den Ausgleich. Die weiterfinanzierenden Banken, die schon im Februar 2002 ihr Geld sehen wollen, hoffen weiter auf einen Käufer. Amadeus und Libro dürften getrennt veräußert werden. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 3.8.2001)

  • Amadeus will mit Hilfe neuer Werbung wieder den Verkauf ankurbeln
    fotomontage: derstandard.at

    Amadeus will mit Hilfe neuer Werbung wieder den Verkauf ankurbeln

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