Elektronischer Helfer für Liberalisierung

2. August 2001, 17:09
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Verbund Referenzkunde für Handelsplattform von Schrack

Wien - Die im Oktober anstehende Stromliberalisierung erfordert von den Strombossen neues Denken. Die Versorger müssen Kundennähe lernen und zugleich elektronische Plattformen für Handel und Vertrieb aufbauen. Als erstes heimisches Unternehmen hat der Verbund eine eigene Webseite, vorerst für Großkunden, implementiert.Dieses Projekt hat der Wasserkraftkonzern gemeinsam mit Twenty Four Seven, der Business-Com-Tochter von Schrack, realisiert. In Deutschland hat sich Twenty Four Seven mit Sydios, einer Tochter der Berlinwasser Holding, zusammengetan.

Neben dem E-Business könne das auf flexibel zusammenfügbaren Bausteinen beruhende System auch das gesamte Kundenmanagement bewältigen, so Norbert Neumann von Sydios: "Dadurch war der Verbund in der Lage, plötzlich den ganzen deutschen Markt zu bearbeiten".

Tempo gesteigert

Kein elektronisches Kundenmanagement zu haben werde immer mehr zu einem erheblichen Wettbewerbs-Nachteil. Die Liberalisierung habe das Tempo im Marketing und Vertrieb deutlich gesteigert, erläuterte der Sydios-Manager. "Früher hatte ein Versorger sechs Wochen Zeit, um ein Angebot zu legen, jetzt sind es nur noch 24 Stunden."

Das System sei auch für die Kunden (vorerst nur Großabnehmer) offen. Autorisierte User könnten mit Angabe der E-Mail-Adresse aus den Standard-Stromprodukten Lieferungen zusammenstellen und ihren gesamten Stromeinkauf online abwickeln. Mit der neuen Plattform könne man neben den Lieferfahrplänen auch den Post-Sales-Bereich, also Rechnungen und Datenänderungen, erfassen. Auch das Risikomanagement und die Preisgestaltung könne integriert werden, sagte Twenty Four Seven-Geschäftsführer Andreas Jahn. Abhängig von der Zahl der im System enthaltenen Prozesse müsse man mit Kosten zwischen einer und zwei Mio. DM (bis zu 14 Mio. S) rechnen.

Auch für Haushaltskunden

Technisch wäre die Plattform in der Lage, auch die Betreuung der Haushaltskunden zu übernehmen. "Obwohl für die Bedienung der Kleinkunden völlig andere Anforderungen gelten, müsste man nur einige Module draufsetzen", schildert Jahn die Möglichkeiten des offenen Systemansatzes, rasch auf geänderte Unternehmensstrategien reagieren zu können.

Die Plattform wäre auch dafür geeignet, neben dem Geschäft mit Erdgas, das, anders als der Strom, erst im Herbst 2002 geöffnet wird, auch die Geschäftsfelder Abwasser und Telekom zu integrieren. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 3.8.2001)

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