VolxTheaterKarawane - das Protokoll

8. August 2001, 20:12
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Christian Hessle, Mitglied der VolxTheaterKarawane, der die Karawane bis nach Genua begleitet hat, und für Indymedia aus Salzburg und Genua berichtete, sowie die Fotografin Lisl Ponger, Unterstützerin der Karawane, waren zu Gast im derStandard.at-Chat.

 

 

foto:derStandard.at/ped
Lisl Ponger und Christian Hessler während des Standard.at-Chats

foto:Pedro Negro
Im Bild Mitglieder der VolxTheaterKarawane in Salzburg anlässlich des Weltwirtschaftsforums Anfang Juli

Sprecher_hessle/ponger hallo
Samuel Hallo ihr da!!
Sprecher_hessle/ponger hallo - der chat beginnt um 15 uhr
das kollektiv hallo - welche requisiten habt ihr mitgebracht ;-)
Vafanbagnio //ausgang wo gehts hier nach genua ?
Sprecher_hessle/ponger hallo
das kollektiv hallo auch. welche requisiten habt ihr mitgebracht?
Sprecher_hessle/ponger Wir dachten das sei ein Chat und keine Theateraufführung
Sprecher_hessle/ponger Während die Außenministerin ihr vollstes Vertrauen zur italienischen Justiz zum Ausdruck gebracht hat, hat sie das vieler ÖsterreicherInnen verloren
Wahrheit2001 habt ihr Kontakt zu den inhaftierten Mitglieder eurer Gruppe?
Sprecher_hessle/ponger Über den Anwalt und die Angehörigen, die mittlerweile ein eingeschränktes Besuchsrecht haben
Vafanbagnio ward ihr selbst mit der //esel karawanne in genua - oder musstet ihr zuhause bleiben ?
Sprecher_hessle/ponger H: ich war bis etwa eine Stunde vor der Verhaftung mit der Karawane unterwegs
Sprecher_hessle/ponger P: Ich gehöre zu einer Gruppe, die sich um die Freilassung der Verhafteten bemühen und kenne die Volxtheaterkarawane von ihrem Referat auf der Plattform 1 der documenta XI in Wien
samothrake was wird den mitgliedern eurer gruppe so sehr vorgeworfen, daß man sie doch so lange nicht freilaßt?
Sprecher_hessle/ponger H: reiner Zufall das zeigt wie willkürlich die Verhaftung war. So wurden beispielsweise Personen, die von der Karawane als AnhalterInnen mitgenommen wurden, mitverhaftet und mit den selben Anschuldigungen inhaftiert. Seit kurzem haben wir auch mehr Informationen über die Umstände der Verhaftung: die Karawane wurde in einem kleine Dorf beim Kaffetrinken eine Routine-Kontrolle unterzogen und zur Identitätsfeststellung mit der Polizei wieder nach Genua zurück zu fahren. Dem anstandslos Folge gele
Sprecher_hessle/ponger 2.TeilDem anstandslos Folge geleistet und in Genua wurde die Theatergruppe nach einem Blick in den Computer verhaftet woher glauben Sie kommen die Informationen?
MODERATOR Wir entschuldigen uns für die technischen Probleme
Sprecher_hessle/ponger es gibt eine eingeschränkte Besuchserlaubnis d. h. jede(r) Inhaftierte(r) einmal in der Woche, daher sind die Infos von außen wahrscheinlich lückenhaft es geht ihnen daher dieser Isolation entsprechend schlecht vor allem wo der Ausgang des Verfahrens derzeit nur schwer einschätzbar ist.
Sprecher_hessle/ponger H: Es ging uns darum, mit dem von uns gewählten Mitteln des Theaters unsere Kritik an der Politik der G8 zum Ausdruck zu bringen. Ein konkretes Beispiel: während der Demonstration für MigrantInnenrechte am 19. Juli stellten wir die Situation von Schubhäftlingen auf der Kundgebung nach.
Suzie G. stimmt es , dass die Jungs in Alessandria Faxe empfangen können?
Sprecher_hessle/ponger Nein.
red/derStandard.at userfrage per posting: Mich interessiert, wie die derzeit Inhaftierten die Unterstützung seitens des "offiziellen " Österreichs erleben ? Wann wurde Kontakt zu den Inhaftierten aufgenommen ? Von wem ? Welche Möglichkeiten haben diese Informationen weiterzugeben ? mfgThomas Haubenhofer
Sprecher_hessle/ponger Wir fragen uns, ob man die "Unterstützung" des offiziellen Österreichs auch tatsächlich als solche bezeichnen kann. Es gab vor der ersten Verhandlung zwar bereits Kontakte zwischen manchen Inhaftierten und dem österreichischen Konsul bzw. den italienischen AnwältInnen. Doch erst der dem Wiener Anwalt sowie mit dem grünen EU-Abgeordneten Voggenhuber war es möglich, einen tatsächlichen Informationenfluß zwischen den Inhaftierten und den Angehörigen herzustellen.
cyberflip besteht die möglichkeit die inhaftierten als freund zu besuchen ? oder haben da nur anwälte, bzw familienangehörige eine change ?
Sprecher_hessle/ponger nein.
red/derStandard.at userinnenfrage per mail: was wissen die ueber die folgen und diskussionen draussen?
Sprecher_hessle/ponger Wenig, was auch stark dazu beiträgt, dass die Inhaftierten verunsichert sind. Wir wissen, dass es ihnen auch desshalb schlecht geht.
free wieviele personen umfasst die karawane insgesamt? und wo überall? (nur in wien?)
Sprecher_hessle/ponger Die VolxTheaterKarawane ist ein internationales Projekt, an der KünstlerInnen aus mehr als 10 verschiedenen Ländern teilgenommen haben. Was in den Medien meist vernachlässigt wird ist, dass nicht nur 16 ÖstereicherInnen verhaftet wurden - sondern 25 Menschen aus Australien, Deutschland, Österreich, Schweden, Slowakei und den USA.
red/derStandard.at nachtrag userfrage: .... wo und wann (vor GEnua) mein ich) seid ihr denn das letzte mal aufgetreten...und was wurde aufgefuehrt ??
Sprecher_hessle/ponger H: Wir starteten Ende Juni von der ungarisch-österreichischen Grenze. Von dort aus fuhren wir nach Salzburg, Slowenien, Kärnten und Genua. Anschliessend wollten wir als letzte Station der No-Border-Tour ein Grenzcamp am Frankfurter Flughafen besuchen. An allen diesen Orten gab es laufend Theateraktionen, die zwar auf die Situationen vor Ort eingingen, sich aber um das Thema Migration und Grenze drehten.
free und das projekt wurde von österreich aus initiiert?
Sprecher_hessle/ponger H: Das Projekt wurde zwar in Wien vorbereitet, hatte aber zum Ziel, dass Menschen grenzübergreifend daran teilnehmen können und sollen.
red/derStandard.at userinnenfrage per mail:* haben die inhaftierten einen pflichtanwalt, einen "richtigen" anwalt-was ist geplant als weitere vorgehensweise?
Sprecher_hessle/ponger Sie haben sowohl italienische als auch einen Wiener Anwalt, denen sie vertrauen, dh. wir sind von Spenden abhängig. In diesem Zusammenhang das Spendenkonto: Ktnr. 000 786 538 43 Blz. 60000 (PSK) Verwendungszweck: "noborder"
red/derStandard.at userinnenfrage per mail: wer ist auf politischer ebene von oesterreich aus grad mit wem in gespraechen/bzw aktiv, was zu unternehmen?
Sprecher_hessle/ponger Die grösste Unterstützung auf politischer Ebene bekommen wir von den Grünen, mittlerweise hat sich aber zb. auch der Bundespräsident eingeschaltet. Den Beteuerungen und dem Lächeln der Aussenministerin trauen wir nicht.
Sprecher_hessle/ponger Unterschiedlich, je nach Anlass und Ort. Derzeit arbeiten (neben den 25 Inhaftierten) rund 50 Leute aktiv mit.
Sprecher_hessle/ponger Die Hauptbeschäftigung der VolxTheaterKarawane ist Theaterspielen. Die meisten kommen auch vom Schauspiel, viele sind aber auch JournalistInnen, KünstlerInnen, SozialarbeiterInnen, etc. Derzeit sieht die Situation so aus, dass ein Teil im Gefängnis sitzt und die anderen versuchen, das zu ändern. Das ist auch derzeit die Hauptbeschäftigung aller.
dnl kommt eigentlich auch unterstuetzung aus dem ausland?
Sprecher_hessle/ponger Viel Unterstützung - so setzen sich zb. die Gruppe U2 oder auch der italienische Literaturnobelpreisträger Dario Fo öffentlich für die Freilassung der VolxTheaterKarawane ein.
default_nick ist vielleicht OT, aber welche strategien kann man (als demonstrantEn) entwickeln, damit sich so eine sache wie der *vorfall* in der schule nicht mehr wiederholen kann? nicht mehr hinfahren kanns ja nicht sein... -also noch dezentralisierter arbeiten, komplett paranoid werden oder gibt es noch etwas ausserhalb meines horizonts?
Sprecher_hessle/ponger Wenig. Wenn die politische Situation - nicht nur in Italien - es erlaubt, müssen wir offenbar mit solchen Übergriffen, die jeglichen demokratischen Rechtsrahmen verlassen, rechnen.
Suzie G. Weiß man, ob sich die anderen Konsulate (Australien, US, Slowakei, Deutschl,...) um ihre inhaftierten Staatbürger kümmern???
Sprecher_hessle/ponger Derzeit sind noch 49 Personen inhaftiert. Die Konsulate sind jedenfalls verständigt und setzten sich - je nach der jeweiligen politischen Situation - mehr oder weniger um die Inhaftierten. Hier gilt es, Druck auf die jeweiligen Stellen auszuüben, zb. mit Protestfaxen und E-Mails.
Kurt Krenn Gibt es nächstes Jahr wieder eine Tournee?
Sprecher_hessle/ponger Wir müssen erstmal den Ausgang des Verfahrens abwarten. Wir fürchten, dass sowohl die österreichischen als auch die italienischen Behörden ihr unglaubliches Verhalten zu rechtfertigen versuchen werden und dafür Sündenböcke brauchen. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr hängt also erst einmal von der Freilassung der Karawane ab. Dabei muss man bedenken, dass wir vielmehr StatistInnen in den Machtspielen zweier Regierungen und eines unkontrollierbaren Polizeiapparates sind. Wir spielen zwar Theater,
Sprecher_hessle/ponger das gefährliche Stück spielt aber derzeit die Politik - mit ungewissem Ausgang.
cornelius was ist mit der schwedischen autostopperin, beweißt das nicht das unglaubliche vorgehen der italiener?
Sprecher_hessle/ponger Richtig, es zeigt wie willkürlich die Festnahme und die Vorwürfe sind.
Screener Falls die Inhaftierten demnächst frei kommen, welches Theaterstück wäre angebracht, um den ganzen Vorfall in Szene zu setzen?
Sprecher_hessle/ponger Die Inhaftierten haben bereits geschrieben, dass sie an einem Theaterstück arbeiten, dass die Vorfälle in Genua thematisiert. Auch das hängt aber natürlich vom Ausgang des Verfahrens ab.
Sprecher_hessle/ponger OK, vielen dank für die Fragen, wir müssen jetzt zum Heldenplatz wo gerade eine Solidaritätsperformance mit vielen KünstlerInnen (ua. Valie Export, etc.) stattfindet. Mehr Informationen zur aktuellen Lage bekommt ihr auf der Homepage: http://www.no-racism.net/nobordertour/ Wir benötigen auch noch DRINGEND Spenden! Ausserdem findet am 18.August im WUK ein grosses Solidaritäts-Fest statt! Bis dann, LP&CH
MODERATOR DerStandard.at bedankt sich bei allen UserInnen für die rege Beteiligung. Wir möchten uns nochmals für die Technikprobleme entschuldigen - das Protokoll ist in Kürze abrufbar.

 

 

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