Die armen Dinos wurden falsch gezeichnet

4. August 2001, 19:16
2 Postings

Sitz der Nasenlöcher nun genau lokalisiert

Washington - Das landläufige Bild von Tyrannosaurus Rex und anderen Dinosauriern ist nach Auskunft eines US-Forschers falsch. Er wies in einer wissenschaftlichen Studie nach, dass Illustratoren und Hollywood-Studios die Urzeitmonster seit Jahren und Jahrzehnten verkehrt darstellen: mit Nasenlöchern, die ziemlich weit zurück liegen auf dem Nasenrücken und nicht ganz vorn am Schädel.

In der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" (Bd. 293, S. 850) vom Freitag korrigiert Laurence Witmer von der Ohio Universität in Athens das Bild. Die Nasenlöcher "waren eigentlich genau da, wo sie auch bei fast jedem anderen liegen: ganz vorn" und in der Nähe des Mauls, schreibt er. Das verschaffte den Urzeitmonstern einen besseren Geruchs- und Geschmackssinn als bisher angenommen. Außerdem konnten sie mehr Luft einatmen und ihr Hirn schneller kühlen in dem tropischen Klima, das die Dinos damals sogar auf dem Gebiet von Deutschland gedeihen ließ.

Geschichtlich entstandenes Bild

Das alte Bild der Dinoköpfe hatte sich Witmers Nachforschungen zufolge schon vor rund 120 Jahren eingebürgert. Damals glaubten Forscher noch, dass die gigantischen Sauropoden wegen ihres Gewichts nur im Wasser existieren konnten. Entsprechend wiesen sie den Nasenlöchern eine Art Schnorchelfunktion zu und legten sie bei der Rekonstruktion oben auf den Schädel, ähnlich wie bei Enten.

Das Problem ist, dass es von Tyrannosaurus, Triceratops und allen anderen ihrer Art nur noch Fossilien gibt, 60 und mehr Millionen Jahre alte versteinerte Knochen. Gewebe wie die fleischigen Nasenlöcher sind längst verfallen. Damit wurden sie zum "Spekulationsobjekt" für Buchillustratoren und Filmemacher. Für Witmer, der sich die exakte Lokalisierung der Nasenlöcher zur Aufgabe machte, kam ein Faktor erschwerend hinzu: Manche Dinosaurier hatten im Schädel Nasenöffnungen von einem halben Meter Länge. Theoretisch hätten die fleischigen Nasenlöcher irgendwo in diesem Bereich gelegen haben können.

Spuren

Der Forscher knöpfte sich deshalb die nächsten heute noch lebenden Verwandten der ausgestorbenen Saurier vor, Krokodile und Vögel. Er markierte ihre Nasenlöcher und die weiterer Tiere mit Barium-Sulfat, um sie auf Röntgenaufnahmen sichtbar zu machen. Diese Untersuchung von 45 Tierarten führte zum Erfolg. Er zeigte, dass Krokodile und Echsen ein von anderem abweichendes, "aufrechtes" Gewebe neben ihren fleischigen Nasenlöchern haben. Dieses Gewebe hinterlässt durch die Blutgefäße zu seiner Versorgung auch im Schädelknochen winzige, aber doch nachweisbare Spuren, berichtet der Forscher in "Science".

Zu seiner Freude fand Witmer die gleichen Spuren in den Fossilien von Dinosauriern, womit er deren Nasenlöcher lokalisieren konnte. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.