Belgrad: Ehemaliger Direktor des Staatsfernsehens angeklagt

2. August 2001, 14:59
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Sender war trotz NATO-Luftschlägen nicht geräumt worden

Belgrad - Gegen den früheren Direktor des serbischen staatlichen Radio- und TV-Senders Dragoljub Milanovic ist am Donnerstag Anklage erhoben worden. Dem sozialistischen Spitzenfunktionär werden der Tod von sechzehn Mitarbeitern des TV-Senders bei einem NATO-Luftangriff im April 1999 sowie Finanzmachenschaften angelastet.

Milanovic befindet sich mit einer einmonatigen Unterbrechung seit Februar dieses Jahres in Haft. Familienangehörige von Opfern des NATO-Luftangriffes hatten ihm vorgeworfen, die Mitarbeiter des Senders bewusst "geopfert" zu haben. Milanovic soll der Belegschaft untersagt haben, während der NATO-Luftangriffe die Luftschutzräume aufzusuchen.

NATO-Generalsekretär George Robertson hatte neulich erklärt, Ex-Präsident Slobodan Milosevic sei über den von der NATO-Allianz geplanten Luftangriff auf das Sendegebäude im voraus unterrichtet worden. "Die Informationen vom NATO-Luftstützpunkt Aviano sind im jugoslawischen Militärzentrum in Podgorica rechtzeitig entschlüsselt worden", klagte die Mutter eines der Opfer, Zanka Stojanovic, gegenüber Radio "B-92", "dennoch hat die Geschäftsführung des Senders die Räumung des Gebäudes nicht angeordnet." (APA)

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