Wie der junge Yves

3. August 2001, 09:33
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Hedi Slimane verschafft mit seiner Männer-mode dem Haus Dior ein modernes, scharfkantiges Image. Ein Porträt von Peter Bäldle

Hedi Slimane gilt als Zukunftshoffnung der Pariser Modeszene. Yves Saint Laurent schätzt ihn, Tom Ford, der für YSL und Gucci die Prêt-à-Porter-Mode entwirft, fürchtet ihn als einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten. Und Karl Lagerfeld, neuerdings um mindestens 20 Kilo leichter, trägt dessen windschnittige Kreationen mit zunehmender Begeisterung. Der hagere 32-jährige Franzose mit dem intensiven blauen Blick und dem scharfen Adlerprofil entwirft nämlich Herrenmode, zwar noch nicht unter eigenem Namen, weil er das für zu früh erachtet, aber fürs Modehaus Dior, dessen Label für ihn am stärksten den "Spirit von Paris" verkörpert. "Dior ist Paris", postuliert er.

Als er im Juli seine zweite Kollektion für den Sommer des kommenden Jahres präsentierte, attestierte ihm Suzy Menkes, die gefürchtete Modekritikerin der International Herald Tribune, "jene undefinierbare Qualität, die einen echten Fashion-Star ausmacht". Es war die trotzige Verletzlichkeit seiner Kinder-Samurais, die überzeugte: Junge, magere Männer im fast noch schulpflichtigen Alter hatte er in schulterbetonte, ärmellose Ledertuniken gewickelt, die breite Kimonoschärpen über bleistiftschmalen Hosen zusammenhielten. Nicht weniger bestechend war auch die ausgefeilte Schnitttechnik seiner messerscharf auf den Körper geschnittenen Anzüge. Als Farben dominierten Schwarz und Weiß, akzentuiert von Chromgelb, Lagune und Grasgrün. Und er schwelgte in leuchtendem Signalrot, auch für ein paar Spritzer Herzblut, gedruckt auf blütenweißer Hemdenbrust.

Damit hatte er Diors Männermode endgültig aus der langweiligen Anzug-plus-Krawatte-Banalität herausgeführt und ihr ein modernes, scharfkantiges Image verpasst. "Es genügt heute nicht mehr, nur fürs Design verantwortlich zu sein. Man muss auch das Umfeld unter Kontrolle haben. Das fängt beim Licht und der Musik fürs Defilee an und endet mit der Art Direction für die Anzeigen noch lange nicht. Man muss eine eigene Welt erfinden." Hedi Slimane hat seine Lektion gelernt.

Denn berühmt wurde er vor vier Jahren als Designer der Männermode bei Yves Saint Laurent. Mit skalpellscharfen Schnitten hatte er sie binnen kurzer Zeit von aller Spießigkeit befreit. Die bisher ungeliebte und wenig beachtete Kollektion galt plötzlich als "cool" und war für die internationale Fashioncrowd "the hottest ticket in town". Slimane hatte der Männermode wieder Wertigkeit gegeben, indem er sie als maskuline Antwort auf des Meisters Couture begriff. Sie war perfekt geschnitten, luxuriös in den Materialien, ein bisschen affektiert in der Anmutung und bewegte sich bewusst androgyn zwischen den Geschlechtern: "pretty boys and little princes" - wie der junge Yves, als er sich in den Seventies, smart mit dunkler Brille bewaffnet, ins Pariser Partyleben stürzte. Als im November 1999 die italienische Gucci-Gruppe das Haus Saint Laurent kaufte, war Hedi Slimane dessen Kronjuwel.

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