Mobilität für Herzkranke durch Elektrostimulation

4. August 2001, 17:37
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Wiener Projekt in Amsterdam ausgezeichnet

Wien - Täglich vier Stunden Elektrostimulation spezifischer Muskelgruppen lassen schwerst Herzkranke wieder mobiler werden: Ein solches Projekt des Wiener Spezialisten Dr. Martin Josef Nuhr von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Wiener AKH wurde vor wenigen Tagen beim 1. Weltkongress der "Physikalisten" in Amsterdam mit dem 1. Preis des "1st TransEuropean Scientific Contest" ausgezeichnet. Dies teilte das AKH in einer Aussendung mit.

"Wir setzen die Methode bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Anm.) ein. Sie sind oft kaum mehr mobil. Dadurch kommt es zu einem Muskelabbau", erklärte Nuhr. Die Konsequenz: Die mangelnde Leistungsfähigkeit führt zur Schwächung der Muskulatur - es bildet sich ein Teufelskreis aus. Ein echtes Training können die Betroffenen aber nicht mehr absolvieren.

Leistungssteigerung

Der Assistenzarzt und sein Team schufen deshalb ein Elektrostimulations-System, mit dem die Oberschenkelmuskulatur trainiert werden kann. Der Fachmann: "Auf die Muskeln werden Elektroden geklebt. Die Patienten stimulieren dann die Muskel. Die Kranken mit Herzschwäche trainieren so zwei Mal pro Tag je zwei Stunden." Eine niedrige Frequenz von acht bis 15 Hertz bringt offenbar die belasteten Muskelpartien zu einer Steigerung der Ausdauerleistung, eine hohe Frequenz von 50 Hertz führt zu einer Schnellkraft-Steigerung.

Den Effekt haben die Wiener Wissenschafter zunächst an gesunden Probanden in einer nach den rigorosesten Kriterien durchgeführten Studie bewiesen. Derzeit läuft eine solche wissenschaftliche Untersuchung mit Herzschwäche-Patienten. Die Daten von insgesamt rund zwei Dutzend Teilnehmern sollen ausgewertet werden.

Die Wirkung stellt sich bereits nach einigen Wochen. Die Testzeit betrug in den Studien bisher jeweils zehn Wochen. Während der Behandlung verspüren die Patienten, wie die Stromstöße zum "Schütteln" der trainierten Muskeln führen. Es gebe aber auch noch weitere mögliche Anwendungsgebiete. "Man kann damit auch Patienten auf Intensivstationen, die beispielsweise im künstlichen Tiefschlaf gehalten werden, trainieren." Nach neun bis zehn Tagen beginnt nämlich bereits der Muskelabbau in stärkerem Ausmaß. Bei dem Wettbewerb um den mit 1.000 Euro (13.760 S) dotierten Preis setzte sich Nuhr gegen 800 andere Einreicher durch. (APA)

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