Globalisierungsgegner kündigen weitere Proteste an

2. August 2001, 14:22
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Nächstes Mal im September in Lüttich

Berlin - Mit weltweiten Protesten wollen Globalisierungsgegner auch in den kommenden Monaten für ein neues Weltfinanzsystem eintreten. Das Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte, Attac, kündigte am Donnerstag in Berlin parallel stattfindende Proteste zur Tagung der EU-Wirtschafts- und Finanzminister vom 21. bis 23 September im belgischen Lüttich an. Attac erwartet dort nach eigenen Angaben Tausende von friedlichen Globalisierungsgegnern.

Als weitere Attac-Projekte nannte Attac-Sprecher Sven Giegold am 6. Oktober einen internationalen Aktionstag gegen Steueroasen in Luxemburg. Einschneidende Maßnahmen gegen Steuerflucht und Geldwäsche seien überfällig, meinte er. Die WTO-Tagung in Katar vom 9. bis zum 13. November sollen weltweite Protestaktionen begleiten. Dazu will Attac 100.000 Menschen mobilisieren. Zu der Tagung selbst wolle man aber nicht reisen. Die Wahl des Austragungsortes bezeichnete Giegold als Provokation, da dort per se politische Veranstaltungen verboten seien.

Schließung der Steueroasen

Das Netzwerk der Globalisierungskritiker will mit den Aktionen seinen Forderungen nach Schließung von Steueroasen und der Streichung von Schulden für die Entwicklungsländer Nachdruck verleihen. Nach Aussage von Giegold gibt es weltweit rund 60 steuerfreie Zonen. Gleichzeitig befürworte die Bewegung die Einführung einer Tobinsteuer auf internationale Finanzgeschäfte.

Es sei eine Tragödie und ein Skandal, dass erst jemand in Genua sterben musste, ehe die Diskussion um die Globalisierung richtig losgegangen sei, sagte Attac-Sprecher Philipp Hersel zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen beim G-8-Gipfel. Attac verstehe sich als Bildungsbewegung und lehne Gewalt ab. Hersel forderte eine klare Aufarbeitung der Ereignisse in Genua. Dabei sprach er von Polizeiprovokationen und rechten Randalierern, die von den Ordnungshütern geduldet, wenn nicht gar gezielt unter die friedlichen Globalisierungsgegner gemischt worden seien.

Demokratisches Gesicht

Ziel des Netzwerkes sei, dem Globalisierungsprozess ein menschliches und demokratisches Gesicht zu verleihen, unterstrich Giegold. Attac trete aber nicht für die Zerschlagung des Internationalen Währungsfonds oder der WTO ein. Die internationalen Finanzorganisationen müssten demokratisch umgestaltet und dadurch gestärkt werden. "Der Welthandel ist so frei und fair wie ein Fußballspiel an einem steilen Hang: unten der Süden, oben der Norden", heißt es in einer Attac-Erklärung.

Attac (Association for the Taxation of financial Transactions for the Aid of Citizens) wurde 1998 in Frankreich gegründet und trat erstmals im Dezember 1999 während der WTO-Konferenz in Seattle auf. Durch die Kritik am G-8-Gipfel in Genua wurde Attac ein breites Medieninteresse zuteil. Weltweit hat die Bewegung den Angaben zufolge rund 50.000 Mitglieder, in Deutschland 700. (APA/AP)

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