Eine lange Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung

2. August 2001, 14:22
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Sinti und Roma gedachten der Opfer des Holocaust

Warschau - Rund tausend Sinti und Roma haben am Donnerstag auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau der Opfer des Holocaust gedacht. Im Museum wurde auch die Dauerausstellung "Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma" eröffnet. Die Präsentation im Lagerblock 13 des einstigen Vernichtungslagers wird von der deutschen Regierung, den Bundesländern und verschiedenen Firmen sowie den polnischen Behörden finanziert.

Wie der Völkermord an Millionen von Juden war die Ermordung von mehr als einer halben Million Sinti und Roma durch die Nazis durch deren Rassenideologie begründet. Ihr Ziel: die endgültige Vernichtung. Aber auch davor war die rund 600jährige Geschichte der Sinti und Roma in Mitteleuropa stets geprägt von Diskriminierung und Verfolgung.

Von islamischen Eroberern aus Indien vertrieben, wanderten die Sinti und Roma im 14. und 15. Jahrhundert in verschiedene Regionen Europas aus. In Deutschland lebten sie unter dem Namen Sinti, in Ost- und Südosteuropa unter dem Namen Roma. Auf dem Reichstag 1496/97 wurden die "Zigeuner" für vogelfrei erklärt, bis 1774 gab es 146 Edikte, die Gewalt gegen das "fahrende Volk" zuließen. Ständige Verfolgungen zwangen sie im Laufe der Jahrhunderte zu ständigem Wanderleben.

Nationalsozialismus

Vom Beginn der NS-Herrschaft an wurden Sinti und Roma wie Juden ausgegrenzt. 1935 schließlich stellten die Nürnberger Rassengesetze sie offiziell den Juden gleich. Durch das "Reichsbürgergesetz" und das "Blutschutzgesetz" verloren Sinti und Roma wie die Juden die deutsche Staatsbürgerschaft, Ehen mit "Ariern" wurden verboten. 1937 und 1938 folgten Berufsverbote. Die Absicht der Nazis zur Vernichtung der Sinti und Roma stand wie jene der Juden bald fest. "Rassengutachten" empfahlen ihre Zwangssterilisation oder letztlich die "Evakuierung" ins Konzentrationslager.

Ab 1938 wurden zahlreiche Sinti und Roma in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald und später auch nach Mauthausen deportiert. Am 27. April 1940 folgte die Anordnung des Reichsführer SS, Heinrich Himmler, zur ersten Deportation ganzer Sinti und Roma-Familien in das sogenannte Generalgouvernement Polen. Dort wurden sie unter unmenschlichen Bedingungen als Arbeitssklaven eingesetzt: in Steinbrüchen, im Straßenbau, in der Rüstungsindustrie. Andere kamen direkt in die Konzentrationslager. Als Sklavenarbeiter waren Sinti und Roma Opfer des Vernichtungsprogramms in SS-Unternehmen und in deutschen Rüstungsbetrieben.

Grausame Experimente

Am 16. Dezember 1942 befahl Himmler im sogenannten Auschwitz-Erlaß, "Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft" in das Vernichtungslager einzuliefern. Von den etwa 23.000 Menschen, die dort zwischen Februar 1943 und Juli 1944 zusammengepfercht wurden, starben über 13.000 an Unterernährung, Seuchen und Mißhandlungen. Aber auch Medikamente und Impfstoffe wurden an den Häftlingen ausprobiert, der berüchtigte Lagerarzt Josef Mengele missbrauchte sie zu grausamen, meist tödlich endenden pseudomedizinischen Experimenten.

Anfang August 1944 wurde das "Zigeunerlager" in Auschwitz-Birkenau aufgelöst. Von den Häftlingen waren zu diesem Zeitpunkt noch etwa 4.000 am Leben. Die Arbeitsfähigen wurden in andere Lager verlegt, knapp 3.000 vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder wurden in den Gaskammern ermordet. (APA)

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