AUA-Aktie stürzt ab

3. August 2001, 18:26
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Deutsche Bank sieht Profitabilität gefährdet - Heimische Analysten zurückhaltend

Wien - Befürchtungen über einen schwächeren Geschäftsverlauf haben die Aktie der Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) am Donnerstag an der Wiener Börse abstürzen lassen: Die AUA-Aktie lag gegenüber dem Vortagesschluss bei 12,15 Euro zeitweise 9,5 Prozent im Minus. Das Tagestief lag zu Mittag bei 11 Euro. Im weiteren Verlauf konnten die Titel die Verluste zwar noch etwas verringern, gingen allerdings mit einem Abschlag in Höhe von 7,74 Prozent auf 11,21 Euro (175.321 gehandelte Stück in Einfachzählung) aus der Sitzung.

Ursache für den Einbruch dürfte eine neue Analyse der Deutschen Bank sein. Darin wird die Einschätzung der AUA-Aktie von "Market Perform" auf "Underperform" (Untergewichten) zurückgenommen. Das Kursziel der AUA-Aktie wird mit einem fairen Preis bei rund 8 Euro angegeben. Das würde einen Verlust von weiteren 27 Prozent gegenüber dem bisherigen Tiefstand bei 11 Euro bedeuten. Zudem werde die Herausnahme der AUA aus dem MSCI-Austria-Index das Papier belasten.

"Besorgnis erregender Zustand"

"Wegen der schwierigen Situation der Luftfahrtindustrie befürchten wir eine weitere Verschlechterung bei der Profitabilität der Gesellschaft", heißt es in der aktuellen Analyse der Deutschen Bank. Die weitgehende Übernahme der angeschlagenen Tochter Lauda Air habe die Finanzsituation der AUA in einen "Besorgnis erregenden Zustand" gebracht. Bei einem solchen "Alarm-Szenario" wäre ein schnelles und entschlossenes Handeln des Managements geboten, das aber aus Sicht der Deutschen Bank derzeit nicht zu erkennen sei.

Heimische Analysten zurückhaltend

Luftfahrt-Analysten österreichischer Großbanken kommentieren die aktuellen Aussichten für die AUA-Aktie zurückhaltend. Entscheidend für die weitere Geschäftsgebarung der AUA werde die planmäßige Umsetzung der Integration der AUA-Töchter Lauda Air und Tyrolean Airways sein, so der Grundtenor. Aufschluss darüber sollte die Veröffentlichung der Halbjahresdaten am 22. August geben. Große Bedeutung komme auch einer baldigen Lösung der Vorstandsfrage zu. Der AUA-Aufsichtsrat hat Ende Juni die Ausschreibung eines neuen AUA-Vorstands beschlossen. Die am 22. August zur Veröffentlichung anstehenden Halbjahresergebnisse sollten darüber Aufschluss geben, ob bereits im laufenden Jahr ein Drittel der angekündigten Synergien von rund einer Milliarde Schilling (73 Mill. Euro) gehoben werden könnten oder nicht.

"Dem Sektor geht es nicht gut"

"Dem ganzen Sektor geht es nicht gut", relativierte Erste Bank-Analyst Georg Waldner die jüngste Analyse der Deutschen Bank. Wie andere Fluglinien auch machten der AUA derzeit die hohen Fixkosten auf Grund der anhaltend hohen Treibstoffpreise und der Relation Euro/Dollar zu schaffen. Die AUA habe bei der Fracht zuletzt durchaus respektable Zuwächse erzielt und "früher reagiert als manche andere".

Erste Bank und RZB bewerten die AUA-Aktie derzeit als "neutral", die CAIB empfiehlt ein "Halten". Der Gewinn je Aktie wird auf Basis der vorliegenden Prognosen für das heurige Jahr bei 0,71 (RZB), 1,02 (Erste) oder 2,04 (CAIB) gesehen, wobei die CAIB bereits eine Senkung ihrer Prognose ab Ende August angekündigt hat. (APA)

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