Studie über "Scheininskribenten" und Studiengebühr

2. August 2001, 13:19
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Wien - Wer keine Prüfungen an der Universität absolviert, ist ein so genannter "Scheininskribent". Mit diesem Vorurteil räumt die Studie "Weniger (Schein)Inskription - gleichbleibende Studienaktivität" von Hans Pechar und Angela Wroblewski auf. Gleichzeitig gehen die Autoren davon aus, dass die Einführung von Studiengebühren in der Höhe von 5.000 Schilling pro Semester keine ökonomische Barriere für den Zugang zum Studium darstellt

Im Mittelpunkt der Diskussion über den Rückgang der Studentenzahlen an den Universitäten steht der Begriff des "Scheininskribenten". Das Bildungsministerium meint, dass die Einführung von Studiengebühren vor allem zu einer Bereinigung der Statistiken führt - also jene Studenten, die ohnehin nicht aktiv studieren, nicht mehr weiter inskribieren. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) wiederum meint, dass Betroffene aus sozialen Gründen nicht in der Lage sein würden, ihr Studium weiter zu betreiben.

Nicht alle sind "Scheininskribenten"

In der Studie gehen Pechar und Wroblewski davon aus, dass nicht alle Studenten, die keine Prüfungen ablegen, auch tatsächlich "studieninaktiv" sind. Vielmehr gebe es mehrere Gründe, warum man aktiv ein Studium betreiben könne, obwohl in einem bestimmten Zeitraum keine Prüfung abgelegt werde.

Als Beispiele nennen die Studienautoren die Arbeit an einer Abschlussarbeit (Diplomarbeit, Dissertation) bzw. die Vorbereitung auf große Prüfungen. Dabei wird eine Untersuchung zitiert, wonach etwa Studenten naturwissenschaftlicher Fächer in den ersten Jahren ihres Studiums rund 90 Prozent ihrer Prüfungen absolvieren, in der zweiten Hälfte ihrer Ausbildung hingegen nur zwei. Weiters gebe es eine nicht unbedeutende Zahl an Teilzeitstudenten, die auf Grund einer Nebenerwerbstätigkeit oder wegen familiärer Betreuungspflichten phasenweise "prüfungsinaktiv" seien, ohne deshalb ihr Studium aufgegeben zu haben. Bei dieser Gruppe könne man nicht von Scheininskribenten sprechen - diese Gruppe werde daher auch trotz Studiengebühren weiter inskribieren.

Studiengebühren keine Barriere

Gleichzeitig gehen Pechar und Wroblewski davon aus, dass Studiengebühren in der Höhe von 5.000 Schilling pro Semester grundsätzlich nicht als ökonomische Barriere für Studenten wirken. Wer einmal ein bestimmtes kulturelles Entwicklungsniveau erreicht habe, gebe dieses nicht auf, es sei denn, es erfolgten so drastische Einschränkungen der materiellen Lebensverhältnisses, dass gar keine Wahlmöglichkeit bestehe. Geringfügige Verschlechterungen der Rahmenbedingungen reichten hingegen nicht aus.

Mittlerweile würden die Studenten eine Hochschulausbildung als wichtigen Faktor für die Verbesserung der Chancen am Arbeitsmarkt erkennen, heißt es in der Studie. Außerdem werde auch der Eigenwert gehobener Bildung erkannt. Alle diese Erfahrungen würden durch einen geringfügigen Anstieg in den Kosten eines Hochschulstudiums nicht plötzlich ausgelöscht. Pechar und Wroblewski folgern daraus: "Daher ist damit zu rechnen, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle die Studenten bzw. deren Familien eher auf andere Dinge verzichten, bevor sie das Studium aus Kostengründen aufgeben."

Behauptungen von Studenten, wonach sie sich ihr Studium bei Einführung von Gebühren nicht mehr leisten könnten, werten die Autoren eher als politische Aussage und nicht als zutreffende Prognose ihrer tatsächlichen Reaktion. Unterstelle man Studenten rationales ökonomisches Verhalten, "dann dürfte ein vergleichsweise geringfügiger Anstieg in den Gesamtkosten eines Studiums zu keinen gravierenden Verhaltensänderungen führen." (APA)

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