Österreichs Touristiker haben Rekordsommer vor Augen

2. August 2001, 18:34
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Hotellerie beklagt Mehrbelastung durch Abfertigung neu

Wien - Das gute Wetter lässt die heimischen Touristiker träumen. Nach einem sehr guten Mai, einem schlechten Juni und einem insgesamt ausgeglichenen Juli setzt die Branche nun alle Hoffnungen auf den August. Fast jeder dritte Schilling, der zwischen Mai und Oktober in den Kassen der österreichischen Beherbergungsbetriebe klingelt, wird in den kommenden vier Wochen eingenommen.

"Die Buchungslage verspricht einen Superaugust", sagte der Vorsteher des Fachverbandes Hotellerie, Hans Melcher, bei der Präsentation der Saisonzwischenbilanz am Donnerstag. "Bei den Nächtigungen sollte insgesamt ein leichtes Plus möglich sein, bei den Umsätzen ein Zuwachs um rund sechs Prozent." Damit würden sich die im Tourismus erzielten Umsätze im heurigen Sommer auf knapp 110 Mrd. S (7,9 Mrd. EURO) erhöhen - neuer Rekord.

Plus

Von Mai bis Juni wurde ein Plus bei den Übernachtungen von 0,4 Prozent auf 9,1 Mio. verzeichnet, wobei der Rückgang bei den Inländernächtigungen (minus 0,3 Prozent) durch ausländische Gästenächtigungen (plus 0,9 Prozent) mehr als kompensiert wurde. Zuwächse gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gab es besonders bei Gästen aus den Niederlanden, bei Deutschen und Schweizern. Amerikaner, Briten und Franzosen übernachteten im Berichtszeitraum weniger oft in österreichischen Betten.

Mehrsternhotels können nach wie vor kräftig zulegen, einfachere Quartiere verlieren zum Teil noch immer dramatisch - für Melcher ein Zeichen, dass der Qualitätstourismus in Österreich "nicht nur ein Schlagwort" ist.

Zores mit Abfertigung neu

Getrübt wird die Freude der Branche über die zu erwartenden guten Sommerergebnisse durch die laufende Diskussion über eine Neuregelung der Abfertigung. Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann setzt sich dafür ein, dass die Abfertigung neu schon ab dem ersten Tag der Anstellung oder zumindest ab dem ersten Monat zum Tragen kommt. Damit sollen auch viele Beschäftigte in der traditionell von einem raschen Beschäftigungswechsel geprägten Tourismusbrache in den erstmaligen Genuss einer Abfertigung kommen.

"Ohne entsprechende Entlastungen bei den Lohnnebenkosten wäre das der Ruin für viele Hotel- und Gastronomiebetriebe", sagte Melcher.

Helmut Peter, Chef der Hoteliervereinigung, wehrt sich gegen einen Vergleich mit anderen Branchen. "Die Industrie hat Möglichkeiten, ihre Produktivität zu erhöhen, bei den persönlichen Diensten geht das nicht", sagte Peter dem STANDARD. Arbeit müsse billiger, Hoteliers in die Lage versetzt werden, ihren Mitarbeitern mehr zu zahlen. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 3.8.2001)

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