Italienischer U-Richter: "Wussten nichts von Theater-Aktivitäten der ÖsterreicherInnen"

2. August 2001, 13:10
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Von Sicherheitskräften nicht informiert - Rechtsanwälte klagen wegen Verzögerung bei Besuchsgenehmigungen für Angehörige

Rom/Genua - Die italienischen Untersuchungsrichter, die vor einer Woche die U-Haft für die 16 österreichischen Globalisierungsgegner bestätigt hatten, waren weder über die Beteiligung der Festgenommenen an der "VolxTheaterKarawane" noch über die Aktivität der Theatergruppe informiert worden. Dies betonte der Präsident der Untersuchungsrichter von Genua, Roberto Fucigna, im Gespräch mit der APA. Fucigna erklärte, aus den Dokumenten, die die Richter von den Sicherheitskräften erhalten hatten, waren keine Informationen über die Beteiligung der Österreicher an einer Theatergruppe zu entnehmen.

Bei der Vernehmung hätten die Österreicher berichtet, Mitglieder der Theatergruppe zu sein und dass die im Bus beschlagnahmten Gegenstände Theaterrequisiten seien. Ihre Aussagen seien jedoch nicht im Bericht der Polizei enthalten, die die Globalisierungsgegner am 22. Juli festgenommen hatten, während sie per Bus Genua verließen. "Wir haben die Insassen des Busses vernommen, vier von ihnen waren den Sicherheitskräften bereits wegen Beteiligung an gewalttätige Demonstrationen bekannt", sagte Fucigna.

Der Präsident der U-Richter von Genua, der am Mittwoch den EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber getroffen hat, erklärte, die Justizbehörden werden nun das Entlastungsmaterial überprüfen, das von den Rechtsanwälten der Inhaftierten vorgelegt wird. Es handelt sich unter anderem um Videos und Bilder, die die pazifistische Tätigkeit der "VolxTheaterKarawane" beweisen sollen.

"Wir haben Dokumente aus ganz Europa gesammelt, die die friedliche Natur der Theatergruppe beweisen. Wir werden dieses Entlastungsmaterial den Behörden weitergeben, damit sie sich ein neues Bild der Gruppe machen können, die keineswegs Verbindungen zur Anarchistengruppe 'Black Block' hat", betonte Andrea Sandra, der italienische Rechtsanwalt der Österreicher.

Sandra traf am Donnerstag den Wiener Rechtsanwalt Wilfried Embacher, der unter anderem mehrere Familienangehörige der Inhaftierten vertritt. Embacher klagte wegen der Langsamkeit, mit der die italienischen Behörden den Familienangehörigen der Globalisierungsgegner die Besuchserlaubnis erteilen. "Es haben bereits einige Besuche stattgefunden, doch sie werden eher schleppend genehmigt", so Embacher. (APA)

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