"Politisches Porzellan zerschlagen"

2. August 2001, 22:48
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Jüdische Gemeinde Berlin gegen Barenboim

Berlin - Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, hat in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung den Dirigenten Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin wegen der Aufführung von Musik Richard Wagners in Israel angegriffen: "Barenboim hat in Israel politisches Porzellan zerschlagen, kaum vernarbte Wunden aufgerissen und dem demokratischen, postnazistischen Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Skandalös? Nein, ekelhaft!".

"Ausgerechnet deutsche Musiker kommen in den jüdischen Staat, um dort die Musik des Antisemiten und Wegbereiter Hitlers zu spielen", schrieb Brenner. Damit sei das Andenken Millionen ermordeter Juden verspottet worden. Dabei habe kein einziger der Berliner Musiker den Mut gefunden, aufzustehen und zu sagen: So etwas mache ich nicht mit. "Das wirft ein bezeichnendes Licht auf das Takt- und Fingerspitzengefühl dieser Menschen", heißt es in dem Zeitungsbeitrag.

Barenboim hatte bekanntlich bei dem Konzert der Staatskapelle am 7. Juli in Jerusalem als Zugabe Vorspiel und Isoldes Liebestod aus "Tristan und Isolde" gegeben. Zuvor hatte das Publikum sich auf Befragen Barenboims mehrheitlich dafür entschieden. Die Gegner verließen darauf unter Tumulten den Saal. Israelische Parlamentarier wollten Barenboim dann zur "persona non grata" erklären; Zubin Mehta als Leiter der israelischen Philharmonie setzte sich dezidiert für Barenboim ein. (APA/dpa)

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