Triumph der "Schlümpfe" in Bolivien

2. August 2001, 19:51
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Interimspräsident Quiroga repräsentiert die junge Generation der konservativen Regierungspartei

La Paz/Wien - Der Triumph der "Schlümpfe" gegen die "Dinoausaurier" stand am Anfang des Endes der Ära von Hugo Banzer. Wenn der bolivianische Präsident am Montag sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegt, ist das nämlich auch das Resultat eines Machtkampfs innerhalb der der konservativen Regierungspartei Accion Democratica Nacionalista (ACN). Mit Jorge "Tuto" Quiroga, der nun in einer einjährigen Übergangszeit an der Spitze des Staats stehen soll, hat sich offenbar ein Vertreter der "pitufos" (Schlümpfe) genannten jungen Generation durchgesetzt.

Dem 41-jährigen Vizepräsidenten und Anführer des reformfreudigen Flügels der ACN war der frühere Militärdiktator Banzer schon seit längerem ein Dorn im Auge. So warf der erklärte Demokrat Quiroga dem 74-Jährigen in bolivianischen Zeitungen mehrmals vor, seine autoritäre Vergangenheit in keinster Weise aufgearbeitet zu haben. Die um Banzer gescharte und von Gegnern und Medien oft als "dinosaurios" apostrophierte alte Garde wiederum beschuldigte Quiroga mehrmals, "Putschgelüste" gegen den Schwerkranken gehegt zu haben.

"Technokrat ohne gewichtige politische Hausmacht".

Der bolivianische Verfassung zufolge soll nun Jorge Quiroga für ein Jahr als Staatschef an die Spitze einer Übergangsregierung treten. Für das erste Halbjahr 2002 sind Neuwahlen geplant, im August beginnt dann die fünfjährige Amtszeit des nächsten gewählten Staatsoberhaupts. Da die Verhältnisse in Bolivien wegen sozialer und wirtschaftlicher Missstände allerdings alles andere denn stabil sind, werden die Unkenrufe im Land immer lauter. Es steht "in den Sternen geschrieben, ob dieser Zeitplan eingehalten wird", analysierte jüngst auch der Korrespondent der "Neuen Züricher Zeitung" .

Quiroga gilt als "Technokrat ohne gewichtige politische Hausmacht". Daher dürfte ihm der Wind nicht nur aus den eigenen Reihen heftig ins Gesicht blasen. Vor allem das "Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR), aber auch kleinere Oppositionsparteien dürften alles daran setzen, dem 41-Jährigen das Leben schwer zu machen. Die Probleme, mit denen sich Quiroga konfrontiert sehen wird, prägten bereits die letzten Monate der Regentschaft Banzers, der seit Wochen in den USA wegen Lungen- und Leberkrebs behandelt wird. Bolivien ist eines der ärmsten Ländern der Welt, der überwiegende Teil der rund acht Millionen Indios gilt als bitterarm.

Im vergangenen Jahr brach die Konjunktur nach einem kurzen Zwischenhoch völlig ein. Die Folge waren Proteste und Generalstreiks. Einer der Protagonisten war dabei der Anführer der Aymara-Indios, Felipe Quispe. Und dieser ließ bereits vorbeugend durchklingen, dass es für ihn keinen Unterschied mache, wer in Bolivien künftig das Sagen hat. "Die indigene Bevölkerung wird von all diesen diesen Herren in La Paz ohnehin höchstens ignoriert", sagte er jüngst gegenüber der Tageszeitung "La Razon". (APA)

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