"UMTS zum Erfolg verdammt"

2. August 2001, 11:42
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Österreichs Mobilfunker investieren bis zu 150 Milliarden Schilling in den neuen Standard

Österreichs Mobilfunkbetreiber werden in den nächsten Jahren gemeinsam bis zu 150 Milliarden Schilling (10,90 Mrd. Euro) in die neue Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) investieren. Dies ergibt eine Rechnung des Telekom-Experten und Geschäftsführers von Arthur D. Little, Georg Serentschy. Serentschy geht davon aus, dass jeder der sechs Mobilfunkbetreiber, die in Österreich eine UMTS-Lizenz erworben haben, zwischen 5 und 25 Mrd. S oder sogar mehr aufwenden wird. Für den Lizenzerwerb allein haben die Betreiber bisher 11,4 Mrd. S ausgegeben.

"Netzaufbau wird untereinander aufgeteilt werden

"Die große Bandbreite des möglichen Investments ist auf Grund der möglichen - jedoch heute noch nicht einschätzbaren - Kooperations-Szenarien zwischen den Lizenzinhabern noch nicht näher einzugrenzen. Wir können aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass in Österreich auf Grund der Unsicherheiten im Markt und auf Grund der erforderlichen gewaltigen Investitionen für einen Vollausbau sich praktisch alle Netzbetreiber in Gesprächen befinden, diese Investitionen und damit den Netzaufbau untereinander zu teilen. Letztendlich wird es sicher deutlich weniger physische Netze als Lizenzinhaber oder Netzbetreiber geben", sagte Serentschy am Donnerstag.

Der erste Auftritt der MVNOs

Neu hinzu kommen allerdings auch so genannte MVNOs, "virtuelle" mobile Netzbetreiber, die es bisher in Österreich nicht gegeben hat. Als potenzielle MVNOs in Österreich sind für Serentschy Festnetzbetreiber, Internet Service Provider, Mediengruppen und Dienstleistungsfirmen.

Wer wird überleben?

Wieviele wirtschaftlich lebensfähige UMTS-Netzbetreiber der Markt in Österreich vertragen wird, lässt sich aus Sicht des Telekom Experten heute noch nicht vorhersagen. Frühere Berechnungen hätten ergeben, dass im GSM-Geschäft in Österreich der Markt nachhaltig nicht mehr als drei wirtschaftlich gesunde Netzbetreiber verträgt. Die Situation mit vier GSM-Netzbetreibern habe in Österreich zu einer sehr ungesunden, d.h. für keinen Netzbetreiber vorteilhaften Marktsituation geführt, unter der alle Betreiber leiden würden.

Neue Angebote müssen Kunden locken

Ob sich nach der Einführung von UMTS mehr Anbieter etablieren können, werde letztlich davon abhängen, wie weit es den UMTS-Netzbetreibern gelingen wird, mit neuen Angeboten bisher noch nicht genütze Budgets der Konsumenten "anzuzapfen". "Das Budget für (Sprach-)Kommunikation ist de facto aufgeteilt, hier ist nicht mehr viel zu holen", meint Serentschy.

Alles werde davon abhängen, wieweit es gelingen wird, Budgets der Konsumenten, z.B. für die Bereiche Unterhaltung, Information, Glückspiel anzuzapfen. Wenn das Angebot aus der Sicht des jeweiligen Kunden stimmt, würden die Kunden dann drei bis fünf Mal so viel im Mobilfunk ausgeben wie bisher. "Nach oben gibt es da keine Grenze", so der Experte.

Erfolg der UMTS-Branche bringt wirtschaftliche Misserfolg anderer

Auf Grund der in Österreich "exzellent positionierten" Mobilen Netzbetreiber hätten die Mobilfunkanbieter sehr gute Chancen, den Löwenanteil an Zusatzerträgen aus dieser neuen UMTS-Wertschöpfungskette selbst an sich zu ziehen. "Das Gesamtbudget der Konsumenten für die Bereiche ist aber nicht beliebig vermehrbar. Mit einem Erfolg der UMTS-Netzbetreiber wird daher auch der wirtschaftliche Misserfolg anderer Branchen einhergehen", sagt Serentschy.

"Großpleiten im Bereich der Netzbetreiber und der Banken"

Was passieren könnte, wenn UMTS selbst ein Misserfolg wird, will sich Serentschy "lieber nicht vorstellen. Falls die UMTS-Business Pläne kein Erfolg werden sollten, heißt das, dass es Großpleiten im Bereich der Netzbetreiber und der Banken geben wird", meint der Telekom-Fachamnn. UMTS sei daher "zum Erfolg verdammt". Es werde aber "entscheidend sein, die Investitionen durch klug geplante Kooperationen auf ein minimales Mass zu reduzieren". (APA)

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