"Wie schön es ist, eine Frau zu sein"

2. August 2001, 13:23
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Premiere der "Vagina-Monologe" mit Hannelore Elsner in der Berliner Arena

Berlin - Es geht ums Stöhnen beim Sex, um Frauenärzte, Intimrasur, Tampons, Vergewaltigung und das Gebären - es geht um das weibliche Geschlechtsteil. Die in den USA bereits zum Kultstück gewordenen "Vagina-Monologe" von Eve Ensler feierten am Mittwochabend mit der Schauspielerin Hannelore Elsner in einer der Rollen eine umjubelte Premiere in der Berliner Arena. "Das Stück hat etwas Zärtliches und Befreiendes", meinte die prominente Darstellerin nach der Aufführung, "es zeigt, wie schön es ist, eine Frau zu sein." Dennoch sei das weibliche Genital offenbar immer noch ein Tabuthema, meinte "Tatort"-Kommissarin Ulrike Folkerts, die bei einem der nächsten Theaterabende mitspielt. "Frauen werden belächelt, wenn sie über ihre Sexualität sprechen."

Schon Geschichte

In 200 Interviews hat die amerikanische Autorin Ensler Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen über ihr Verhältnis zu ihrer Vagina befragt und daraus die Theater-Monologe verfasst. In den USA löste das Stück nach seiner Uraufführung im Jahr 1996 am New Yorker Broadway Skandale und einen neo-feministischen Kult aus. An Benefizveranstaltungen zu Gunsten von Frauenhäusern und Anti-Gewalt- Initiativen beteiligten sich Stars wie Melanie Griffith, Whoopi Goldberg, Glenn Close und Winona Ryder.

Das Stück wurde mittlerweile in 25 Sprachen übersetzt und an zahlreichen Theatern nachgespielt, in Österreich war es im Schauspielhaus Wien und im Grazer Schauspielhaus zu sehen. In Berlin treten bis Ende August weitere prominente Schauspielerinnen in der Inszenierung von Adriana Altaras auf, darunter Iris Berben, Katja Riemann, Sonja Kirchberger, Maren Kroymann und Esther Schweins.

Aktuelle Bezugnahme

Nach dem von Hannelore Elsner vorgetragenen Bericht über die Vergewaltigung einer bosnischen Frau herrschte Schweigen im Theatersaal. In schlichten Worten erzählt sie das Unfassbare: Von Soldaten, die die Frau mit Gewehren und Flaschen fast zu Tode quälen, von der Unfähigkeit, danach wieder eine Beziehung zum eigenen Körper zu gewinnen. Pure Freude durchströmt dagegen die Erzählung einer Frau, die ihre Freundin beim Gebären begleitet.

Immer noch aufregend

Zotig wird es, als die Darstellerinnen Dominique Chiout, Rosa Enskat, Verena Peter und Barbara Spitz vom "Vagina-Workshop" und ihren Selbstuntersuchungen mit dem Handspiegel berichten. Im Grölen und Gelächter des Publikums gehen schließlich die vorgeführten unterschiedlichen Stöhn-Varianten beim Sex unter. Auch Frauen haben das Recht auf Stammtisch-Niveau.

Dass die "Vagina-Monologe" immer noch aufregend sind, das zeigen die Beschwerden entrüsteter Bürger bei den Berliner Theatermachern. Zahlreiche empörte Anrufer hätten das Stück bereits vor der Premiere als pornografisch und obszön bezeichnet, berichteten die Veranstalter. Die Ankündigungsplakate mit der stilisierten roten Vagina auf schwarzem Grund würden regelmäßig heruntergerissen.
(APA)

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