Schmucker Schmöker

7. August 2001, 11:31
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Heute im Ohrensessel: Ein Buch der Ringe widmet sich der Welt des kleinen Rundlings, der Finger und Augen zum Funkeln bringt und meint, Ehen zu schmieden ...

Er bringt Augen wie Finger zum Funkeln, bezeichnete ursprünglich auch eine kreisförmig versammelte Menge Menschen, stellt in reduziertester Form ein Symbol der Unendlichkeit dar und ist, in welchem Material auch immer, weltweit das Schmuckstück Nr. 1. Ob zur bloßen Zierde, als Aufbewahrungsort giftiger Notlösungen für die allerletzte Minute oder als international anerkanntes Symbol für "verliebt, verlobt, verheiratet" - fast jeder hat die Finger im großen Ringerlspiel.

Ein Must für alle, die dem Ring als Kultgegenstand huldigen, ist im Skira-Verlag erschienen. Die Autorin Anne van Cutsem erforscht darin den kulturhistorischen Hintergrund jahrhundertelanger "Ringkunst" aus Amerika, Asien und Afrika. Ist der Ring eine Geschichte des Schmucks oder der Form, sind es Gebrauchswerte, die zählen, wie im Falle der Ringe chinesischer Bogenschützen, oder geht es um ästhetische Vorlieben ganzer Völker und deren Interpretationen von Mythologien - das sind nur einige der Fragen, die sich der Leser stellen kann, wenn er sich mit dem so symbolträchtigen Gegenstand aus Metall, Elfenbein, Jade, Federn oder gar Blättern beschäftigt. Nur wenige der 230 Buchseiten sind mit Texten bedruckt, der Raum in diesem Buch gehört ganz und gar dem Ring und seinen Macharten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Die wenigen Geschichten erzählen spannend vom Goldfieber südlich der Sahara, vom mehr als reichlich vorhandenen Schmuck der Herrscher von Ghana, von Karawanen oder vom Abessinischen Horn am Roten Meer. Aus Asien weiß die Kunsthistorikerin unter anderem zu berichten, dass Dschingis Khan der Erste war, der die Goldschmiedekunst seiner unterworfenen Völker zu schätzen wusste, und in der Neuen Welt war das südamerikanische Volk der Mapuche so schmucknärrisch, dass das Goldschmieden das einzige Handwerk war, das Männer ausübten.

Die vielen Ringe zeigen wüste Fratzen, verschiedenste Ornamente, Darstellungen aus Flora und Fauna, Fein- wie Grobheiten, Farben und unterschiedlichste Edelsteine. Neben dem Klassiker zum Überstreifen kann man beim Schmökern aber auch Kuriositäten wie einen Fingernagelschoner finden, der als Symbol für Reichtum galt, denn lange Nägel sind, wie schon Struwwelpeter wusste, bei der Arbeit hinderlich. (maik)

Anne van Cutsem
Welt der Ringe.
Skira, öS 715 / EURO 52 erhältl. u.a. bei Buchhandlung Morawa, Wollzeile 11, Wien 1.
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