Freiheit für die Beine

16. August 2001, 11:12
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Einmal ist es der Platz bei der Bordtoilette, der das Reisen unerquicklich macht, einmal der Mittelplatz in Reihe 16, ein schwitzender Mitreisender rechts, ein rundlicher Passagier links und in der Reihe davor quengelnde Kinder.

Das nächste Mal, schwört sich der Leidgeprüfte, wird nichts dem Zufall überlassen, der Sitzplatz wird reserviert.

Natürlich hat jeder Passagier die Möglichkeit, beim Ticketkauf im Reisebüro auch Sitzplatzwünsche anzugeben. Garantien gibt es keine. Je höher der Tarif des Tickets, desto größer sei die Sicherheit, dass man den gewünschten Sitzplatz bekommt, lässt man bei der AUA durchblicken. "Businesskunden können davon ausgehen, den reservierten Platz zu bekommen, bei Economytickets können wir das nicht garantieren", meint AUA-Sprecher Johann Jurceka. So ist es auch Usus bei der Lufthansa, "nur bei Langstrecken kann jeder Reisende seinen Sitz im Voraus fix buchen", erklärt Sprecherin Christine Beringer.

Die Airlines bemühen sich zwar, auf spezielle Kundenwünsche einzugehen, möchten aber bis kurz vor Abflug möglichst flexibel bleiben. "Es kommt immer wieder vor, dass sich Kunden beklagen, dass sie den vorher reservierten Platz nicht bekommen haben", sagt Julian Ess vom Reisebüro Mondial. Falls die Reservierung kippt, gibt es keinen Anspruch auf irgendeine Art von Rückvergütung.

Die begehrtesten Plätze sind, unabhängig vom Flugzeugtyp, immer dieselben: in der ersten Reihe hinter dem Cockpit oder der Trennwand, wo die Beine gegen die Wand gestützt werden können und wo einem garantiert niemand mit der Rückenlehne auf den Schoß klappen kann. Familien mit Kleinkindern erhalten bevorzugt diese Sitze - wegen der dort angebrachten Halterungen für die Babykörbchen. Beliebt sind natürlich auch die Plätze bei den Notausgängen mit entsprechender Beinfreiheit. Aus Sicherheitsgründen dürfen diese aber nicht an gebrechliche Personen vergeben werden.

Beim Verkehrsbüro kennt man die Vorlieben der Stammkunden. "Vielflieger müssen gar nicht sagen, welchen Sitzplatz wir reservieren sollen. Das haben wir in der Datei", sagt Herbert Richter vom Verkehrsbüro. Geschäftskunden würden wegen des kürzeren Wegs aus dem Flugzeug tendenziell Gangplätze bevorzugen. Für Urlaubsreisende hingegen gebe es meist viel zu wenige Fenster, um alle Wünsche nach einem Panoramaplatz zu erfüllen.

Wer also auch als Billigreisender nicht einfach irgendwo sitzen möchte, sollte seine Wünsche nicht nur im Reisebüro deponieren, sondern auch früh aufstehen. Der Erste beim Check-in zu sein gilt immer noch als heißer Tipp. stro

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