Cher schau oba

24. August 2001, 18:33
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Diverse neue Schönheitsratgeber versprechen die Anleitung zum Jungbleiben und Schönwerden. Und sie sind fast alle genau so öd wie ihre Vorgänger, findet Ute Woltron

"Älter werde ich später", verkündet die seit 50 Jahren überdurchschnittlich attraktive deutsche Schauspielerin Iris Berben im Titel ihrer ersten Publikation, von der sie verführerisch und auch im leicht angealterten Zustand durchaus sehr knackig herunterlächelt. In ihrem Buch will sie "das Geheimnis, schön und sinnlich, fit und entspannt zu sein" lüften und unter ein Publikum bringen, das durchschnittlich nicht halb so attraktiv ist und sich mit chronischen Hängehintern, Mehrfachkinns und - gesegnetenfalls - mit einem Bruchteil Berbenschen Selbstbewusstseins durchs Leben schlägt.

Schönheitsratgeber und Anti-Aging-Fibeln, die dem Menschen den richtigen Weg zu den richtigen Creme- und Massageöltöpfen weisen, zu den tauglichsten Fettvernichtern und Freie-Radikale-Fängern, also Bücher, die Schritt für Schritt ihre Leser anleiten, wie man zu schlafen, essen, lieben, zu leben hat, um auch gegen 85 noch von jugendlicher Energetischheit zu sein, haben dieser Tage Hochkonjunktur. Wer, wenn nicht Prachtweiber wie Iris Berben, weiß die Antworten auf die ewigen Fragen, warum die einen so schön und so glücklich sind, und die anderen eher doch nicht? Berbens Abhandlung über die Kunst, auch mit einem halben Jahrhundert auf dem sonnengebräunten Buckel noch ein fesches Weibsbild zu sein, ist nur eine Träne im Ozean der Sehnsüchte. Und letztlich ist das ewige wohl beworbene Streben nach Idealbildern belangloses Oberflächengeschiller, eine Interferenz an dünnen Schichten, mit denen sich trefflich, eigentlich immer besser, Geld verdienen lässt. Auch von Autoren.

So schön und gscheit wie die deutsche Ausnahmefrau müsste man halt sein, so schlank und wohl proportioniert, so erfolgreich und energisch, so reich und so glücklich. Also schlagen wir nach, was Iris Berben unwiderstehlich macht: Da wäre einmal die Sache mit der "Persönlichkeit und dem Innenleben", die viel mit der Schönheit zu tun hätten. Doch selbstverständlich tue sie darüber hinaus noch "eine ganze Menge" für ihr Äußeres. Anti-Aging-Cremes kommen zum Einsatz, Peelings, Masken, Mikro-Massagen zur Hautstraffung, Hormonkapseln und Haarölkuren. Außerordentlich zeitaufwendig muss all das sein, und anstrengend, aber wer weiß, vielleicht kann solches Investment ja tatsächlich optischen Gewinn bringen.

Und Kohle braucht, wer nicht verschimpeln will, das rechnen die Autoren Kurt Langbein, Christian Skalnik und Elisabeth Tschachler in ihrem offenbar seriös recherchierten Buch "Wa(h)re Schönheit" vor: Chirurgische und dermatologische Schönheitsbehandlungen, deren Kosten, Methoden und Risken, werden hier streng unter die Lupe genommen, und wer sich tatsächlich mit der Absicht trägt, sein Äußeres professionell verändern zu lassen, der ist mit diesem Buch sicher gut beraten. Der Autoren skalpellscharfer Schluss: "Schönheit ist heute kein Geschenk der Götter mehr. Schönheit ist machbar." Zumindest für die paar, die es sich leisten können. Cher schau oba.

Erstaunliche Dinge geschehen den Schönheitschirurgen-OPs und Pharmazeutenlabors. Wer weiß etwa schon, dass ein gewisses Bakterieneiweiß mit dem harmlos nach Kloduft oder Blumennamen klingenden Namen "Botulinum Toxin A" zwar in der Dosierung eines läppischen Gramms eine Großstadt zu entvölkern imstande, in Minimaldosis auf Gesichter geschmiert aber der Glättung ganzer Faltenstriche mächtig ist? Interessant auch der Prozess der Wadenvergrößerung mittels Silikonimplantat und der Umstand, dass die Penisverlängerung in letzter Konsequenz eigentlich schmecks ist, weil: "Die Länge im erigierten Zustand wird durch die Operation kaum vergrößert." Zum Anschauen allein ist das Ding ja wohl kaum da, die Streckung kann also als schlichte Einidraherei durchgehen.

Ein letztes Werk der Schönheit in unserer Auflistung befiehlt "Jung bleiben!" und belehrt sehnsüchtige Alternde mit Bildern straffer Jugendlicher. Eines Tages aber, und da führt kein Anti-Aging-Pfad vorbei, wird auch ihnen "die Erkenntnis im Spiegel entgegenblicken": So jung kumma nimmamehr zsamm.

Iris Berben "Älter werde ich später", Mosaik 2001, öS 263 / EURO 19,1;


Langbein, Skalnik, Tschachler "Wa(h)re Schönheit", Orac 2001, öS 291 / EURO 21,2;


Silke Heller, Werner Waldmann "Jung bleiben!" DuMont 2001, öS 179 / EURO 19.
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