Mediterranes am Fuß: Teil 1

3. August 2001, 12:27
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Camper-Twins: Nicht im Doppelschlafsack im Zelt, sondern ein paar Schuhe der Firma Camper, die im Schnitt gleich, aber in Mustern verschieden sind. Das Motto: Komfort, Vielfalt und Spaß.

Am auffälligsten sind die "Twins": Sie sind zwar ein Paar Schuhe, aber die zwei sind nicht gleich. So zieht sich z.B. eine Ranke asymmetrisch vom linken auf den rechten Schuh, bei einem anderen Modell ist links eine Blume und rechts sind zwei Blütenblätter oder auf der einen Seite ein Frosch und der anderen die dazugehörige Krone - für den Froschkönig. "Schuhe mit Fantasie" nennt die Schuhfirma Camper auf Mallorca diese Spielereien, die zeigen, dass die Mallorquiner das Schuhemachen nicht unbedingt tierisch ernst nehmen. Ironie darf sein, beim Design.

Auch wenn man sie umdreht, haben die spanischen Gehwerkzeuge durchaus Ungewöhnliches zu bieten. Speziell gestaltete Sohlen - z.B. mit Sonnenblumen, Wellen, Noppen oder Spiralen - hinterlassen auf weichem Boden einen starken Eindruck.

Camper erzeugt nach Eigendefinition kein Modeprodukt. Die Firma ist in Inca auf Mallorca, einem traditionellen Schuherzeuger-Ort nordwestlich von Palma, angesiedelt. Das dort werkende, international zusammengesetzte Designerteam ignoriert hippe Modeschauen und lässt sich lieber vom mediterranen Feeling der Insel inspirieren. Etwas vom Land für die Städter, das will Camper produzieren. Komfort ist die Grundvoraussetzung, die ein Camper-Schuh erfüllen muss, Ästhetik und Spaß kommen dabei nicht zu kurz. Und natürlich die viel gepriesene Vielfalt, die aber sogar bei Camper ihre Grenzen hat: Stilettos würde man nie machen, denn die sind nicht bequem genug.

Das spanische Familienunternehmen kann sich auf eine über 120-jährige Tradition berufen. 1877 begann Antonio Fluxá, ein kreativer Schuh-Enthusiast, auf Mallorca, Schuhe nach seinen eigenen Entwürfen zu fertigen. Sein Urenkel Lorenzo Fluxá (heute 54 Jahre alt) gründete 1975 die Marke Camper. Er konnte sich auf das Wissen und die Erfahrungen der vorangegangenen Generationen stützen und bemühte sich, traditionelle Methoden mit modernen Ideen und zeitgemäßer Ästhetik zu vereinen. Der Name Camper, den man übrigens spanisch, also mit "a", ausspricht, kommt von "els campers"; so werden auf Mallorca die Bauern genannt. Das erste Camper-Modell war dann auch eine Referenz an die Schuhe, die die mallorquinische Landbevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts trug: aus hellem Baumwolltuch und pflegeleichtem Leder.

Auch heute produziert Camper noch den Großteil seiner Schuhe auf Mallorca, außerdem auf dem Festland, in der Gegend um Alicante und in Portugal. Spätestens seit dem Beginn der 90er-Jahre sind die mallorquinischen Schuhe in den Rang des Kultprodukts aufgestiegen, was sich vielleicht mit dem allgemeinen Trend zu Casual-Mode erklären lässt. Einer der Camper-Hits ist z.B. der Pelotas, ein auf lässig interpretierter Unisex-Bowlingschuh, der der Generation, die damals gerade den Sneakers entwuchs, besonders gefiel - und auch heute noch gefällt. Im Vorjahr verkaufte das Familienunternehmen weltweit drei Millionen Paar Schuhe, was einem Umsatz von 120 Millionen Euro entspricht, für 2001 rechnet man mit einem Wachstum von 25 bis 30 Prozent.

Der erste firmeneigene Store wurde vor 20 Jahren in Barcelona eröffnet, weitere folgten in den größten spanischen Städten. 1992 erfolgte die Internationalisierung mit eigenen Geschäften in Paris, London und Mailand. Anfang Juli dieses Jahres eröffnete der erste deutsche Camper-Store in Berlin-Mitte, der mit wiederverwertbarem Interieur eingerichtet ist. Derzeit ist die Marke in mehr als 30 Ländern weltweit vertreten. Verkauft wird in den 50 eigenen Geschäften (33 davon in Spanien) und in mehr als 3000 Verkaufspunkten. (Margit Wiener)

Morgen Teil 2: Schuhe - Global gesehen

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