Schuhe, global gesehen: Teil 2

5. August 2001, 11:32
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Eine spanische Schuhmarke will mit einer Ausstellung auf die kulturelle Vielfalt indigener Völker aufmerksam machen.

Eigentlich sei das ja ein sehr kleines Projekt und auch ein sehr "langsames", meint Iris Sutter, PR-Managerin Europe der spanischen Schuhmarke Camper. Die Grundidee sei gewesen, auf die kulturelle Vielfalt indigener Völker und deren Kampf um ihre Rechte sowie die Bewahrung von Identität und Traditionen mittels einer Ausstellung von Schuhen aufmerksam zu machen.

Rund 300 Millionen Menschen zählen derzeit zur so genannten indigenen Bevölkerung. Gemessen an der Weltbevölkerung stellen sie eine Minderheit dar, sie repräsentieren aber mit ihren etwa 5000 Kulturen eine immense Vielfalt. Entwickelt habe sich das Projekt "Shoes and Indigenous Art", so Sutter, aus dem Gedankenaustausch mit weltweiten Camper-Freunden - und aus der Firmenphilosophie: "Wir halten Vielfältigkeit sehr hoch, nicht nur bei den Produkten und beim Design, sondern auch in den Shops und bei unseren Mitarbeitern."

Wenn Medien - wie geschehen in Deutschland - das Projekt als besonders raffiniertes Stück Marketing darstellen, reagiert die Camper-PR-Frau dann doch erbost. Denn dieser Initiative die Ausnutzung indigener Völker zu selbstsüchtigen Publicity-Zwecken zu unterstellen, sei ja wirklich eine Verdrehung der Tatsachen. "Wir haben das ganze Projekt auch bewusst klein gehalten und kaum Werbung dafür gemacht", betont sie. Realisiert wurde das Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit der NGO-Hilfsorganisation "Watu Indigenous Action", die die spanische Schuhfirma bei der Durchführung beriet, unterstützte und die Erlöse aus den Eintrittsgeldern und dem Katalogverkauf lukriert.

"Shoes and Indigenous Art" ist in der Tat langsam gewachsen: Ein spanischer Journalist machte sich im Laufe der vergangenen Jahre mehrmals auf die Reise zu rund 30 Völkern auf fünf Kontinenten: z.B. zu den Fon in Benin, zu den Lisu in Thailand, zu den Tapa auf Fidschi oder zu den Navajos in den USA. Im Gepäck hatte er Camper-Schuhe, die er den Besuchten zur freien Gestaltung überließ. Nach und nach langten die bemalten, bestickten und vielfältig geschmückten Schuhe dann wieder in Mallorca, am Hauptsitz der Firma Camper, ein.

Zu Beginn dieses Jahres sind diese unterschiedlichst gestalteten Schuhe erstmals zu sehen gewesen, in einer zu einem Museum umfunktionierten Kirche in Barcelona: Im verdunkelten Kirchenraum, auf einem schwarzen Kautschukboden waren die wunderschönen Exponate aufgestellt, dazu große Dias, die die indigenen Künstler und Handwerker bei der Herstellung zeigen.

Zu der Ausstellung sind ein eigener Katalog und ein Video erhältlich, die über das Projekt und die Kulturen der indigenen Völker informieren. "Shoes and Indigenous Art" soll sich nach den Wünschen von Camper zu einer Wanderausstellung entwickeln, diesen Herbst oder spätestens im Frühjahr 2002 soll sie in Paris präsentiert werden, danach in London und in weiteren europäischen Großstädten. (Margit Wiener)

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