Die offizielle Nicht-Eröffnung einer Plakat-Ausstellung

3. August 2001, 21:13
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Veranstaltung zu FE/MALE wurde behördlich untersagt

Wem gehört die U-Bahn-Station? Den Verkehrsbetrieben, der Polizei, der Gemeinde Wien – niemand? Oder doch Menschen wie dir und mir, auch wenn sie unter Umständen nicht so aussehen wie du oder ich?

Genau um diese verwischten Grenzen zwischen 'normal' und 'nicht normal', zwischen 'männlich' und 'weiblich' dreht sich die Plakat-Installation fe/male in der Wiener U4- Station Braunschweiggasse.

Diskurs im öffentlichen Raum

Um einen allgemeinen Diskurs über die Macht von Kategorien und Polarisierungen anzuregen, bewegt sich das Ausstellungsprojekt fe/male aus spezifischen Kunst-Räumen hinaus in den öffentlichen Raum.

Dieser Diskurs hat sich offenbar allzu schnell eingestellt – bereits vor Eröffnung der Ausstellung. Vertreter von Wiener Linien und Polizei (VertreterINNEN waren nicht vor Ort!) zeigten sich verständnislos über die Ausstellung und verboten wegen fehlender oder nicht vorzeigbarer Genehmigung der Veranstaltung die Performance zur Ausstellungseröffnung. Ein (vorgeschobenes?) Problem dürfte dabei die Grenze zwischen 13. und 14. Bezirk sein, die entlang der U-Bahn-Linie verläuft.

Fotografinnen aus Europa und den USA

Zu sehen sind Arbeiten von 11 Fotografinnen aus Europa und den USA vor, die sich mit der Grenzziehung zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit befassen, ua. von Annie Leibovitz, Sophy Rickett und Trish Morrissey.

Die Fotoarbeiten zeigen mögliche Konzepte auf, die traditionelle Dichotomie von Weiblichkeit und Männlichkeit aufzuheben. Die Grenzlinie zwischen diesen normativen Begriffen wird erforscht und als breites Feld von möglichen Identitätskonzepten erfahrbar.

Traditionelle Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit

Die massenweise zur Schau gestellten nackten Frauen auf Zeitschriften im Eingangsbereich der U-Bahnstation verstören dagegen scheinbar niemanden (?) mehr, genauso wenig wie die auf der Straße plakatierten Brutalos, die für Werkzeug werben.

Wie SPÖ-Bezirksrat und Vorsitzender der Penzinger Kulturkommission Robert Fischer meinte: sobald etwas unter dem Label Kunst läuft, wird es für die meisten Menschen ‚verdächtig’.

Der Konsum ist also heilig, und ebenso die schematischen Einstellungen dessen, was als männlich/weiblich, und erlaubt/verboten zu gelten hat. Wo kämen wir sonst schließlich hin?!

red/Anni Bürkl

camera magenta
fe/male
Plakat - Intervention
U-Bahnstation Braunschweiggasse, Wien
1. - 30. August, 2001
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