Da fahren die USA gleich auch drüber

2. August 2001, 14:37
4 Postings

Im Naturschutzgebiet in Alaska soll nach Rohstoffen gebohrt werden

Washington - Das US-Repräsentantenhaus hat am späten Mittwochabend (Ortszeit) das Bohren nach Erdöl und Erdgas in einem arktischen Naturschutzgebiet in Alaska genehmigt. Die Abstimmung bedeutet einen wichtigen Sieg für die Energiepolitik von US-Präsident George W. Bush. Das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge liegt in einer Küstenebene und ist Lebensraum für Wandervögel, Karibus und andere Tiere.

Abgelehnt wurden Forderungen, besonders viel Sprit schluckende Sportwagen, Minivans und Kleinlastwagen sparsamer zu machen. Die Energieindustrie dagegen erhält in dem 510 Seiten starken Gesetzespaket Steuererleichterungen in Milliardenhöhe. Die Gesetzesvorlage, die mit 223 zu 206 Stimmen angenommen wurde, muss allerdings noch durch den Senat, in dem Bushs Republikaner keine Mehrheit haben. Die zweite Kongresskammer wird sich voraussichtlich im September mit der Energiepolitik befassen.

Nach dem Willen der US-Regierung unter George W. Bush soll durch die umstrittene Öl- und Gasförderung im ressourcenreichen Bundesstaat Alaska die Abhängigkeit der USA von Ölimporten aus dem Ausland verringert werden. Der tägliche Erdölbedarf der USA beläuft sich auf knapp 20 Millionen Barrel, mehr als die Hälfte dieser Menge muss aus dem Ausland importiert werden.

Nach Schätzungen der US-Regierung könnten in dem Naturschutzgebiet in Alaska rund 16 Milliarden Barrel (Barrel=159 Liter) Erdöl gefördert werden. Damit könnten die USA Regierungsangaben zufolge rund 70 Jahre lang auf Ölimporte aus dem Irak verzichten.

Seit 1960 unter Schutz

Das Arctic National Wildlife Refuge liegt im Nordosten von Alaska und ist das nördlichste Naturschutzgebiet der USA. Die rund 80.000 Quadratkilometer große Zone reicht von der Beaufort-See im Norden bis zum Brooks-Range-Gebirge im Süden und enthält verschiedene Landschaftsräume, darunter Inselketten, Küstenlagunen, Tundra, Nadelwälder und bis zu 2.700 Meter hohe Berge. In dem Areal leben 160 Vogel- und rund 40 Fischarten sowie 36 Land- und neun Wassersäugetierarten - darunter Karibus, Moschusochsen, Bären, Vielfraße und Wale.

1960 wurde das Gebiet vom damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower unter Schutz gestellt, um das einzigartige Ökosystem zu bewahren. Die in dem Areal lebenden Gwich'in-Indianer lehnen die Ölförderung strikt ab. (APA/AP/Reuters)

Share if you care.