US-Repräsentantenhaus genehmigt Öl-Förderung in arktischem Naturschutzgebiet

2. August 2001, 15:07
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Umstrittener Erfolg für die Republikaner - Demokraten gegen Erschließung des Nationalparks

Washington - Das US-Repräsentantenhaus hat die Energiepläne von Präsident George W. Bush und damit auch Ölbohrungen in einem Naturschutzgebiet in Alaska gebilligt. Mit 240 gegen 189 Stimmen votierten die Abgeordneten am Donnerstag für das Energiesicherungsgesetz, mit dem große Teile des bereits im Mai veröffentlichten Fünf-Punkte-Plans umgesetzt werden sollen. Es sieht vor, sowohl Atomkraft als auch Gas, Öl und Kohle stärker zu nutzen, um billigen Strom und Treibstoff zu sichern. In Teilen des Nationalparks "Arctic National Wildlife Refuge" sollen Erdöl und Erdgas gefördert werden.

Der demokratische Fraktionschef Dick Gephardt kritisierte das Vorhaben. Damit werde "eines der unberührtesten Naturschutzgebiete der Welt" den Interessen einer Minderheit geopfert. Die Verabschiedung des Gesetzes im Senat gilt als unsicher, da dort die Demokraten die Mehrheit haben.

Steuervorteile für die Energieindustrie

Zwölf Stunden lang debattierten die Abgeordneten vor allem über die geplanten Öl- und Gasförderungen in dem Naturschutzgebiet in Alaska. Es wurde 1950 geschaffen und ist einer der ursprünglichsten Lebensräume von Wildtieren der Welt. Neben Karibus, Wölfen, Elchen und Eisbären beherbergt es mehr als 160 Vogelarten. Der Nationalpark ist insgesamt 7,7 Millionen Hektar groß. Bohrungen sollen auf 800 Hektar erlaubt werden. Ein Antrag der Demokraten, das Energiegesetz um ein Erschließungsverbot für das gesamte Naturschutzgebiet zu ergänzen, wurde abgeschmettert. Gephardt bemängelte, die Öffnung des Nationalparks schraube "hart erkämpfte Umweltschutzmaßnahmen" wieder zurück. Das Gesetz sei teuer und überflüssig.

Der Fünf-Punkte-Plan war unter Leitung von Vizepräsident Dick Cheney ausgearbeitet worden. Die Regierung will für das Programm in den kommenden zehn Jahren insgesamt 34 Milliarden US-Dollar (38,6 Mrd. Euro/531 Mrd. S) bereit stellen. Es sieht auch Steuervorteile für die Energieindustrie und für die Fahrer emissionsarmer Autos vor.

Bush sehe die Notwendigkeit von Umweltschutz, betonte sein Sprecher Ari Fleischer. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, neue Ressourcen zu erschließen, um von Öllieferungen aus dem Ausland unabhängig zu sein. Washington zufolge werden derzeit 60 Prozent des landesweiten Energieverbrauchs durch Importe gesichert. Rückenwind erhielt Bush, der früher selbst Manager einer Ölfirma war, von der Gewerkschaft der Lkw-Fahrer. Die Öffnung des Alaska-Nationalparks berge ein enormes Potenzial für neue Arbeitsplätze, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Jerry Hood. (APA)

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