Israel: Menschliche Herzzellen im Labor gezüchtet

2. August 2001, 10:59
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Vor Verpflanzung weitere Forschung notwendig

Haifa - Israelischen Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, aus embryonalen Stammzellen menschliche Herzzellen zu züchten. Das gezüchtete Herz-Gewebe sei in der Lage, spontan zu schlagen und habe die elektrischen Eigenschaften und die mechanische Charakteristik junger Herzzellen. Dies teilten die Forscher der medizinischen Fakultät der Technischen Universität Haifa und der Rambam-Klinik der Stadt am Mittwochabend in einer offiziellen Erklärung mit. Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten die Wissenschaftler im "Journal for Clinical Investigation" vom Mittwoch. Ein weiteres Forscherteam dieser Universität hat jetzt nachgewiesen, dass diese Art von Stammzellen auch Insulin herstellen kann. Die Ergebnisse dieser Studien sollen neue Behandlungsansätze für Herzerkrankungen und Typ 1 Diabetes möglich machen.

Das Team begann seine Arbeit mit einer Reihe von Zellen aus den frühesten Entwicklungsstadien embryonaler Stammzellen. Nach der Herstellung einer undifferenzierten Zellmasse wurden die Zellen in eine spezielle Wachstumssuspension eingebracht. Als sie sich teilten, sammelten sich die Stammzellen in mikroskopische Gruppen, so genannte Embryoid Bodies.

In rund zehn Prozent dieser Embryoid Bodies fanden die Forscher kleine Gruppen von Zellen, die sich spontan zusammenzogen. Ein Vorgang, der auch während der Entstehung von Herzgewebe bei einem Embryo abläuft. Umfangreiche Tests ergaben, dass es sich wirklich um Kardiomyozyten handelte, jene Zellen, die später zu Herzgewebe werden. Um die Anzahl der produzierten Zellen zu erhöhen, experimentiert das Team derzeit mit verschiedenen Kombinationen von Wachstumsfaktoren, die die Stammzellen veranlassen sollen reine Kardiomyozyten-Kulturen herzustellen.

Nach Angaben der Universität Haifa könnten die Züchtung der Herzzellen weit reichende Folgen und Anwendungsmöglichkeiten haben, da viele Schäden am Herzmuskel bisher irreversibel seien. "Das Potenzial für die Behandlung von Herzkrankheiten durch eine Zelltransplantation ist gewaltig", da junge Herzzellen die beschädigten ersetzen könnten. Allerdings sei noch zu erforschen, ob diese Zellen längere Zeit überleben, wenn sie in ein Herz verpflanzt wurden. Unklar sei auch noch, wie die Abstoßung des Gewebes verhindert werden könne. (APA/dpa/pte)

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