Frankreich - Andorra Konflikt zeichnet sich ab

2. August 2001, 06:49
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Paris trat Zwergstaat 35 Hektar Land ab - Kommunalpolitiker protestieren

Paris - Um die Grenze Frankreichs mit Andorra zeichnet sich ein Konflikt ab, nachdem die Regierung in Paris dem Zwergstaat in den Pyrenäen 35 Hektar Land abgetreten hat. Der Regierungsbeschluss hat französische Kommunalpolitiker aufgebracht, die nach dem Gebietsverlust eine Erosion ihres Territoriums befürchten.

"Wir werden bis zum Ende kämpfen", sagte Francis Marty, Bürgermeister des kleinen französischen Bezirks Porta, der das Gebiet an Andorra abgeben muss, am Mittwoch. Notfalls werde er auch vor Gericht ziehen. Zudem kündigte Marty an, in der Sommerferienzeit die Straßen nach Andorra blockieren zu wollen.

Das Fürstentum Andorra ist seit 1993 international als souveränder Staat anerkannt. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und der Bischof von Urgell in Spanien sind die "Co-Fürsten" des 65.000 Einwohner zählenden Landes. Bereits seit dem 13. Jahrhundert teilen sich Frankreich und Spanien die Herrschaft über den Pyrenäenstaat, dessen Amtssprache Katalanisch ist.

"Die französische Regierung und Chirac scheinen mehr die Interessen eines fremden Staates als die der eigenen Steuerzahler und Bürger zu verfolgen", kritisierte Marty. Dies sei eine Schande. Die genauen Grenzen zwischen Andorra und Frankreich sind in dem nun betroffenen Gebiet allerdings nie offiziell festgelegt worden.

Er hoffe, dass dies bald nachgeholt und die französische Bevölkerung in der Grenzregion darüber frühzeitig informiert werde, sagte Marty weiter. Ansonsten seien Protestaktionen wie zuletzt Ende der achtziger Jahre, als die Andorraner das letzte Mal auf französisches Gebiet "eingedrungen" seien, nicht mehr auszuschließen. "Die Streitkräfte von Andorra hatten damals auf uns sogar das Feuer eröffnet. Zum Glück wurde niemand verletzt", fügte Marty hinzu. (APA/Reuters)

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