Weihrauch macht krank

2. August 2001, 21:39
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Er enthält mehr krebserregende Stoffe als der Qualm auf einer Verkehrskreuzung

London - Der Qualm von Weihrauch - und Räucherstäbchen überhaupt - enthält nach Erkenntnissen von Wissenschaftern erhebliche Mengen Krebs erregender Substanzen. Wie "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe berichtet, stießen Forscher der Universität Taipeh in Taiwan bei ihren Untersuchungen in einem Tempel der Hauptstadt auf eine hohe Konzentration polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAH). Die Konzentration dieser Krebs erregenden Substanzen sei in dem schlecht belüfteten Tempel 40 Mal höher als in den Wohnungen starker Raucher, heißt es in der Studie.

"Wir würden wirklich gern behaupten, dass das Verbrennen von Weihrauch ausschließlich spirituelles Wohlbefinden auslöst", wurde der Wissenschafter Ta Chang Lin von der nationalen Universität Taiwans zitiert. "Aber es besteht ein potenzielles Krebsrisiko, auch wenn wir nicht in der Lage sind, es in Zahlen auszudrücken."

Lieber auf der Kreuzung stehen und tief durchatmen

Das Forscherteam nahm Proben im Inneren und an den Außenwänden des Tempels sowie an einer stark befahrenen Kreuzung in Taipeh. Dabei stellte sich heraus, dass die Konzentration bestimmter aromatischer Kohlenwasserstoffe im Inneren des Tempels höher war als an der Verkehrskreuzung. Vor allem das Krebs erregende Benzpyren, das in Auto-Abgasen und im Zigarettenqualm enthalten ist, wurde im Tempelinneren in hoher Konzentration gemessen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes (Berlin) entstehen PAH bei unvollständiger Verbrennung praktisch aller organischen Stoffe, zum Beispiel beim Rauchen, beim Grillen oder bei Waldbränden.

"Bei bestimmten Zeremonien brennen die Gläubigen gleichzeitig mehrere hundert Weihrauchstäbchen ab. Wir machen uns Sorgen um die Leute, die im Tempel arbeiten", erklärten die Forscher. Weihrauch, der aus dem Harz bestimmter Sträucher in Indien und arabischen Ländern gewonnen wird, wird von Hindus, Buddhisten und Christen für den Gottesdienst eingesetzt; mit ihm sind Vorstellungen von der Abwehr böser Geister oder der besonderen Ehrung heiliger Orte verbunden. (APA)

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