Studiengebühren: 70.000 StudentInnen weniger erwartet

1. August 2001, 21:23
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ÖH verweist auf missliche soziale Lage tausender StudentInnen

Wien - Das im Wintersemester 2001/2002 zu erwartende Minus von rund 70.000 StudentInnen in Folge der Einführung von Studiengebühren erklärt sich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) mit der sozialen Lage der Studenten. Die immer wieder von Regierungsseite angeführte Bereinigung der Statistik durch den Wegfall von "Scheininskribenten" bilde hingegen einen Mythos, betonte ÖH-Chefin Anita Weinberger (Grüne und Alternative StudentInnen) am Mittwoch in einer Aussendung.

Vorstellung von der ScheinstudentIn

Gestützt auf den Bericht zur sozialen Lage der Studierenden aus dem Jahr 1999 sei die ÖH vielmehr der Ansicht, dass die 5.000 Schilling Studiengebühren pro Semester dem Großteil der 70.000 Personen aus finanziellen Gründen die Fortsetzung ihres Studiums verunmögliche, so Weinberger. "Die Rechnung, keine Prüfung im Semester ist gleich Scheinstudentin oder Scheinstudent, ist zu einfach. Da gibt es berufstätige Studierende, DoktoratsstudentInnen, solche, die ein Semester oder Studienjahr im Ausland studieren, Präsenz- oder Zivildiener, erkrankte Personen und viele andere Gruppen, die ihr Leben nicht ausschließlich ihrem Studium widmen können." Außerdem wären zwei Drittel der StudentInnen erwerbstätig, die Hälfte davon in Vollzeit, betonte die ÖH-Chefin.

ÖVP will friedlichere HochschülerInnenschaft

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon forderte die ÖH-Führung in einer Aussendung auf, sich vom "politischen Hick-Hack zu verabschieden" und sich auf eine seriöse Studentenberatung zu konzentrieren. Optimistisch zeigte er sich, dass durch den Wegfall der "Scheininskribenten" die durchschnittliche Studienzeit verkürzt würde.

Außerdem meinte Amon, dass sich die ÖH-Führung besser informieren solle. Zur Zeit fordere die Studentenvertretung auf, beim Ministerium eine Feststellungsbescheid zu beantragen. Beim Studienbuchblatt und der Meldung zur Fortsetzung des Studiums (früher Inskriptionsbestätigung) handle es sich jedoch bereits um Feststellungsbestätigungen.

Scharfe Kritik von Seiten der SPÖ

Kritik an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) kam von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl. Wenn die Ministerin über jede/n Studenten/in weniger Genugtuung empfinde, "stellt sich die Frage, ob sie auf dem richtigen Posten sitzt", hieß es in einer Aussendung. Weiters will die SPÖ-Politikerin wissen, wie die Regierung "ihr selbst gestecktes Ziel, eine AkademikerInnenquote von 20 Prozent bis 2010" erreichen wolle, nachdem sie zig Tausenden Studierenden den Weg an die Unis verbaut habe. Die Regierung befinde sich damit mit "Volldampf auf dem Weg in die Vergangenheit", so Kuntzl. Gleichzeitig führe sie ihre Universitätspolitik mit diesen Zugangsbeschränkungen selbst ad absurdum. (APA)

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