Inselträume ohne Ökonomie

1. August 2001, 21:17
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Die Österreichisch- Südpazifische Gesellschaft erklärt Ozeanien

Wien - Winzige Staaten in den Weiten des Pazifiks können auch für andere kleine Länder ein Vorbild sein. "Trotz der Insellage herrscht dort Offenheit, nicht Isolation. Die Inseln sind Knoten in einem Netzwerk von Arbeitsmigration, Handelsbeziehungen, Wallfahrten", berichtet Hermann Mückler, Ethnologe an der Uni Wien und Präsident der Österreichisch-Südpazifischen Gesellschaft (OSPG).

Der Universitätsassistent hat seinen Beruf zum Hobby gemacht. Praktischerweise stellt sein Institut der OSPG Postanschrift und Telefonanschluss. Auch die kleine Institutssammlung zeigt Mückler Interessierten gern. Die OSPG organisiert auf der anderen Seite auch einmal wissenschaftliche Großevents wie im nächsten Jahr den Kongress der Europäischen Gesellschaft für Ozeanienkundler in Wien. Dennoch: Inhaltlich sind Verein und Institut unabhängig.

Das ist der Vereinskassierin Margit Wolfsberger auch wichtig: "Unser Ziel ist es gerade, Leute anzusprechen, die sich für die Region interessieren, aber bei Univeranstaltungen Schwellenangst hätten", sagt sie. Unter den 100 OSPG-Mitgliedern sind denn auch Segler, Sammler, Fotografen, Marinenostalgiker. "Leute, die ihren Träumen nachgehen", meint Mückler. Die größte Gruppe stellen trotzdem Studenten und Wissenschafter.

Nicht unter den Mitgliedern der OSPG finden sich Menschen aus Melanesien, Mikronesien und Polynesien, wie die drei Regionen Ozeaniens heißen. "Es gibt keine echte pazifische Gemeinschaft in Österreich", so Mückler. Zudem hat kein Einziger der Inselstaaten, von denen manche unter 10.000 Einwohner zählen, in Wien eine Vertretung.

Nicht unter den Mitgliedern der OSPG finden sich auch österreichische Wirtschaftskapitäne oder Politprominente. Der Grund liegt auf der Hand "Als ökonomische Region sind die südpazifischen Inseln nur marginal von Bedeutung", sagt Mückler. Politisch trumpfen dort eher die USA und nun zunehmend auch China auf.

Umso mehr geht es der 1996 gegründeten OSPG darum, den Österreichern die Kultur und die Menschen Ozeaniens näher zu bringen. "Keine Menschenfresser", schmunzelt Hermann Mückler. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 8. 2001)

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