Voggenhuber : "Aktivistinnen in Haft sexuell belästigt"

2. August 2001, 15:23
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Minister Giovanardi dementiert - erneut Kritik an Ferrero-Waldner

Rom/Genua - Die sieben österreichische Aktivistinnen der Theatergruppe "VolksTheaterKarawane" sind nach der Festnahme in Genua von den italienischen Sicherheitskräften sexuell belästigt worden. Dies erklärte der EU-Abgeordnete Johannes Voggenhuber, nachdem er die sieben Frauen am Mittwoch in der Haftanstalt der lombardischen Stadt Voghera besucht hatte.

"Die Frauen wurden gezwungen, sich vor den Polizisten nackt auszuziehen, die sie mit obszönen Worten beschimpften und mit Gewalt bedrohten. Toilettenbesuchen wurden nur bei offenen Türen gestattet. Der Politiker schloss nicht aus, dass die Aktivistinnen Klage gegen die italienische Polizei wegen Misshandlungen einreichen werden. "Sie haben 90 Tage Zeit, um diesen Schritt mit ihren Rechtsanwälten zu überlegen. Wir haben eine detaillierte Darstellung der Misshandlungen verfasst", sagte Voggenhuber. Er erklärte sich über das "tragische und gespenstische Drama von jungen, aufgeschlossenen und künstlerisch ambitionierten Menschen" erschüttert, die nicht wissen, "was mit ihnen geschieht".

Minister bestreitet

Der Minister für die Beziehungen zum Parlament, Carlo Giovanardi, schloss in einem Bericht vor dem Parlament entschieden aus, dass Globalisierungsgegnerinnen in den Strafanstalten sexuell belästigt oder misshandelt worden seien. Er dementierte auch systematische und organisierte Schikanen gegen Demonstranten in den Kasernen oder Strafanstalten. Der Oberstaatsanwalt von Genua, Francesco Lalla, will inzwischen den Bericht der Oberinspektoren des Innenministeriums über das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten während des G-8-Gipfels überprüfen.

Erneut Kritik an Ferrero-Waldner

Voggenhuber attackierte erneut Außenministerin Benita Ferrero Waldner, die seiner Ansicht nach in 24 Stunden die Freilassung der Theatergruppe hätte erhalten können, wenn sie sich rechtzeitig in Bewegung gesetzt hätte. Der Grüne-Politiker erklärte sich mit den informellen Schritten zufrieden, die die Präsidentschaftskanzlei für die Freilassung der Globalisierungsgegner unternehmen will. "Ich bin für jeden dankbar, der aufwacht und seine Verantwortung übernimmt", so Voggenhuber. (APA)

"Diese sympathischen, jungen Menschen wollten ausschließlich mit Kunst und Theater gegen die Globalisierung demonstrieren. Sie hatten eine ausgesprochen gewaltlose Form des Protests ausgewählt und begreifen daher nicht, warum ihnen das alles passiert ist", so Voggenhuber. Im Gefängnis seien sie gut behandelt worden. "Sie halten zusammen und hoffen auf baldige Freilassung", erklärte der EU-Parlamentarier.
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