Prophet im Himmelbett

8. August 2001, 19:39
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Ernst Fuchs, neben Salvador Dalí und Arno Breker dritte Schenkel des "Goldenen Dreiecks", im Palais Harrach

Wien - Vorsichtshalber merkt Ernst Fuchs anlässlich des Pressetermins zu seiner Retrospektive im Palais Harrach gleich an, dass auch El Greco zu Lebzeiten nur auf Ablehnung gestoßen ist. Er gab sich dazu ein wenig kränkelnd, was aber lediglich an den "höchst erfolgreich" (!) verlaufenen intimen Voreröffnungsfeierlichkeiten läge, versicherte der Meister, denn ansonsten fühle er sich nach wie vor "unsterblich".

Wilfried Seipel, Direktor der neuen Guggenheim-Linie McKHM, hat davon nichts mitbekommen. Er war gar nicht da. Gerne hätte man ihn gefragt, ob das Kunsthistorische Museum denn keinen anderen Kurator hätte finden können als Fuchs' Managerin Cornelia Eibl. Gern hätte man ihn gefragt, warum Logo und Schriftzug der "Galerie Ernst Fuchs" in den Wiener Ringstraßen-Galerien zumindest gleichrangig neben jenen des Kunsthistorischen prangen. Gerne auch hätte man ganz allgemein gewusst, warum er Ernst Fuchs ausstellt, wo doch von der Vorhalle der Fuchs-Villa in der Hüttelbergstraße 26 jahrein, jahraus von des Meisters Hand geformte Riesenbrüste einladen, frei nach König Salomon den Durst nach der Milch des Wissens zu stillen.

Und so nebenbei hätte man auch noch gerne gewusst, ob sich neben Direktor Wilfried Seipel unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern im KHM noch jemand findet, der dem "Ernst-Fuchs-Palast-Hotel" in St.Veit an der Glan die Expertise "mutiger Entwurf in herrlichen Farben und voller Harmonie" ausstellt. Oder setzen in einer wissenschaftlichen Anstalt öffentlichen Rechts doch schon die Sponsoren - in diesem Fall Hotelbaumeister Rogner - die ästhetischen Standards? Doch Minister Gehrers leichtfüßiger Vorzeigeausgliederer war eben nicht da. Er war vielleicht auf der Suche nach einer Kultur, deren Gold er noch nicht in die Quotenschlacht geworfen hat. Jenes der Pharaonen buhlt ab November im Haupthaus um die zahlende Kundschaft, das aus Rumänien funkelt dann 2003. Sollte Wilfried Seipel bis dahin auch Direktor des Naturhistorischen Museums sein, böte sich ja das "Gold der Kehlchen" an.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, warum Seipel gerade bei Ernst Fuchs auf den bewährten Vorspann "Gold aus . . ." verzichtet hat. Immerhin hat Salvador Dalí behauptet: "Wir sind das 'Goldene Dreieck': Dalí - Breker - Fuchs. Egal wie man uns dreht - wir sind immer oben!" Und das sollte doch reichen für "Gold aus Hütteldorf" (Anm.: Arno Breker).

Jedenfalls aber sieht das Kunsthistorische Museum Wien in Ernst Fuchs "einen der großen Meister des 20. Jahrhunderts" und zeigt daher 200 Werke und ein Himmelbett des Propheten des Wahren und des Schönen. Was ein Genie ist, war natürlich auch schon Wunderkind, erzählen die frühen Zeichnungen. Und die Arbeiten aus der Hochzeit der Wiener Schule des Phantastischen Realismus erzählen viel über das Kunstverständnis des fast ewig währenden Nachkriegsösterreich. Und die Werke der letzten drei Jahrzehnte zeigen dann, dass Fuchs mit Dalí weniger der Surrealismus als die Liebe zum Dollar verband. Schließlich fand er ja auch nicht mit nur einer Gala sein auslangen.

Also sprach Fuchs: "Der Künstler muss sich unverstanden fühlen, damit er sich noch verständlicher äußern kann. In Zeiten, wo das bewegte Bild die Ikone vernichtet hat, trägt er die Fackel der Farbe, um die Wirklichkeit sichtbar zu machen."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 8. 2001)

Von
Markus Mittringer

"Ernst Fuchs: Mythos - Phantasie - Realismus" im Palais Harrach, Wien, 2.8. bis 14.10., tgl. 10 bis 18 Uhr
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