Außerirdischer Ursprung von "Weltallbakterien" stößt auf Skepsis

1. August 2001, 21:56
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Sie wurden immerhin in 41 Kilometer Höhe entdeckt

San Diego/Innsbruck - Dass es hoch oben in der Erdatmosphäre außerirdische Bakterien gibt, wie auf einem Kongress in San Diego berichtet wurde, nehmen Experten "eher skeptisch" auf: "Das ist schon sehr fantasievoll", urteilt Limnologe Roland Psenner (Uni Innsbruck) wohlmeinend gegenüber dem STANDARD, "aber die Nachweise sind doch ungenügend".

Vorgetragen in San Diego hat Chandra Wickramasinghe (Cardiff University), der in den 70er-Jahren die "Panspermia-Theorie" mitbegründete: Ihr zufolge wurde - und wird - die Erde dauernd mit Mikroorganismen aus dem All eingedeckt, die überhaupt erst das Leben gebracht haben. Nur hat sie noch niemand gesehen. Nun hat man in 41 Kilometern Höhe um die hundert Bakterien pro Liter Luft gefunden: "So viele hätten nicht von der Erde so hoch hinauf steigen können", erklärte der Forscher, "und wir haben zeigen können, dass sie leben, aber nicht kultivierbar sind, also keine einfachen irdischen Bakterien."

"Dass sie leben, hat er nicht gezeigt, sondern nur, dass sie DNA haben", korrigiert Psenner, der selbst im Vorjahr erstmals lebende Bakterien in Wolken nachgewiesen hat, "und dass sie nicht kultivierbar sind, heißt nicht viel: 99 Prozent aller Bakterien sind nicht kultivierbar. Zudem hat man auch schon außen an Space-Shuttles irdische Bakterien gefunden: Sie kommen hoch hinauf und können überleben."

Die Bakterienkonzentration allerdings findet Psenner "schon erstaunlich". Wenn sie denn stimmt: "Die Messprobleme sind enorm", weiß der Kundige und empfiehlt, die schriftliche Publikation der Daten abzuwarten. Denn prinzipiell ausschließen will er die "Panspermia-Theorie" auch nicht. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 8. 2001)

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