Das Begräbnis einer großen Museumsidee

1. August 2001, 20:57
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Salzburg: "Kunstzentrum Mönchsberg" dürfte nicht mehr realisiert werden

Salzburg - Der Klubobmann der Bürgerliste im Salzburger Gemeinderat, Helmut Hüttinger, und FP-Stadtvize Siegfried Mitterdorfer zählten zu den wenigen, die es offen auszusprechen wagten: Mit dem Beschluss des Gemeinderates von Montagabend, dem Land bei den Bewilligungen für das Museum auf dem Mönchsberg keine Steine in den Weg zu legen, habe die Kommune ihren "einzigen Trumpf", doch noch das Hollein-Projekt eines Museums im Berg durchzusetzen, aus der Hand gegeben, so Hüttinger. "Die Schachtel" - wie der Volksmund das Museum auf dem Mönchsberg nennt - werde realisiert, "die anderen Pläne werden den Berg hinuntergehen", befürchtet auch Mitterdorfer.

Landeshauptmann Franz Schausberger (VP) und Kulturlandesrat Othmar Raus (SP) - vom langjährigen Chefredakteur der Salzburger Nachrichten Karl Heinz Ritschel einmal als "Trabant" Schausbergers bezeichnet - haben ihr Projekt durchgesetzt; allen Kritiken am architektonischen wie am inhaltlichen Konzept zum Trotz.

Ober sticht Unter, die Stadt hat verloren. Da helfen weder positive Machbarkeitsstudien noch gut gemeinte Hoffnungsbezeugungen. Ein Kunstzentrum Mönchsberg, das beide Vorhaben vereinen sollte, dürfte es in absehbarer Zukunft kaum geben. Zu klar ist die - schon vor Jahren vom damaligen Landeshauptmann Hans Katschthaler begründete - Ablehnung der ursprünglich mit einer Salzburger Guggenheim-Dependance verbundenen Hollein-Pläne durch das Land. Auch wenn über das Kunstzentrum noch einmal verhandelt werden soll, ein fundamentaler Schwenk der Landesregierung ist derzeit nicht in Sicht. Dazu kommt, dass, wenn mit der Errichtung des Museums auf dem Berg einmal begonnen ist, ein nachträgliches Anbauen einer Museumshöhle wesentlich teurer (wenn nicht gar unmöglich) wird. Das Museum auf dem Mönchsberg soll schon 2003 eröffnet werden. Die historische Chance eines Jahrhundertwurfes an der Salzach ist dann wohl endgültig dahin.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 8. 2001)

Analyse von
Thomas Neuhold

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