SP-Chef für Halbe-halbe im Universitätsbereich

1. August 2001, 18:57
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Gusenbauer will Fachhochschulen forcieren

Wien - SP-Chef Alfred Gusenbauer schlägt einen radikalen Umbau des heimischen Universitätssystems vor, der weit über die Dienstrecht-Pläne der Regierung hinausgeht: Fachhochschulen sollten in Zukunft von den Unis generell die praktische Berufsausbildung übernehmen. Die Unis sollten nur noch die akademische Laufbahn forcieren.

"Wir müssen in zehn Jahren erreichen, dass 50 Prozent der Studierenden in Fachhochschulen sind und nur noch 50 Prozent an den Universitäten. Das kommt den Interessen der Menschen und zugleich den wirtschaftlichen Erfordernissen stärker entgegen", sagt Gusenbauer im Standard-Interview. Die Unis sollten sich auf wissenschaftliche Forschung konzentrieren.

Bereits heute sei die Wiener Wirtschaftsuniversität "in Wirklichkeit die größte österreichische Fachhochschule". Aber auch Juristen und Mediziner sollten, wie etwa in den USA, an speziellen Hochschulen ausgebildet werden - und mit wissenschaftlichen Instituten koexistieren. "Auch in anderen europäischen Staaten haben wir unterschiedliche, tertiäre Ausbildungstypen an einem Standort komprimiert", so Gusenbauer.

Finanzierungsmodelle

Die Aufwertung der Fachhochschulen könnte Studiengebühren überflüssig machen. Schon heute gebe es kreative Ko-Finanzierungsmodelle für die an sich gebührenpflichtigen Fachhochschulen, sodass das Studium für die meisten Studenten gratis sei.

Das Geld für Stipendien könnte von Ländern, Gemeinden und der Wirtschaft kommen. Einsparungen in der Unibürokratie würden Mittel für Stipendien freimachen. Gusenbauer will ein vielfältiges Angebot im tertiären Bildungssektor. Der Grundstein sei mit der Zulassung privater Hochschulen gelegt worden. "Der Staat ist dann nicht mehr Alleinanbieter der Dienstleistung Bildung. Das belebt die Konkurrenz. Dann besteht die Möglichkeit, dem Einzelnen durch staatliche Unterstützungen jene Ausbildungsform zu wählen, die er für die geeignetste hält." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. August 2001)

Von Eric Frey
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