Tabakindustrie: Gute Geschäfte - Von Esther Mitterstieler

1. August 2001, 19:30
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Nun greift die Fusionitis in der Tabakindustrie um sich. Der große britische Konzern British American Tobacco (BAT) schielt nach der ebenfalls britischen Gallaher. Vor wenigen Wochen hat Gallaher den ehemaligen österreichischen Monopolisten Austria Tabak übernommen. Diese wiederum hat vor zwei Jahren das Zigarettengeschäft der schwedischen Swedish Match gekauft. Das Karussell dreht sich weiter und muss wohl, wollen die europäischen Tabakunternehmen den großen Konzernen jenseits des Atlantik Paroli bieten.

Die Aktionäre der Austria Tabak können sich auf jeden Fall die Hände reiben, allen voran der ehemalige Eigentumsvertreter Karl-Heinz Grasser. Der Finanzminister hat ein lukratives Geschäft gemacht und durch den Deal knappe elf Milliarden Schilling in die ausgetrockneten Kassen der staatlichen Privatisierungsholding ÖIAG geholt. Auch die Kleinaktionäre dürfen sich nun auf 85 Euro je Aktie freuen - genauso viel haben die Briten hingeblättert. Kein Wunder, dass sich an der Börse derzeit kein Verkäufer findet und höchstens frustrierte Blicke von zu kurz gekommenen Interessenten zu finden sind.

Ein gutes Geschäft auch, da der Chef von BAT eine Schwäche der Austria Tabak richtig erkannt hat: keine Wachstumschancen auf den Hauptmärkten Österreich und Schweden. Im Westen gibt es also für die AT nichts zu holen, höchstens im Osten, und auch nur mit Gallaher. Nun ergibt sich aber ein Konkurrenzproblem der BAT mit Philip Morris aufgrund der Lizenzverträge mit der AT. Der Deal mit den Briten hat sich jedenfalls gelohnt, zumal eine Austria Tabak über kurz oder lang ohnehin einen starken Partner gebraucht hätte. Auch bei einer Übernahme der Gallaher durch BAT müssten die Österreicher nach ausländischen Pfeifen tanzen. (DER STANDARD, Printausgabe 2.8.2001)

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