Genmais: Minister Haupt auf der "Nudelsupp'n" - von Samo Kobenter

1. August 2001, 19:54
posten
Übertriebenes Geschick kann man Minister Herbert Haupt wirklich nicht nachsagen. Zuerst verschläft er den Beginn der Genmais-Geschichte, verschleppt, lässt abwiegeln. Gibt vor, alles im Griff zu haben. (O-Ton seines Sprechers: "Wir sind ja auch nicht auf der Nudelsupp'n daherg'schwommen.")

Dann stellt sich nach und nach heraus, dass Haupt überhaupt nichts im Griff hat. Dass er selbst sich dem Griff nicht entwinden kann, in den ihn die Vertreter diverser Lobbys genommen haben: Sie säen Genmais aus, wie sie wollen, und Haupt sieht zunächst einmal zu. Wird dann von seinem einfachen Landeshauptmann gedrängt, etwas zu unternehmen. Tut nichts, lässt dem anderen den Lorbeer eines Robin Hood im Kukuruz, der den Konsumenten schützt und dem armen Bauern für die Entschädigung geradesteht, die Haupt zahlen soll. Haupt will nicht zahlen, mault, das sei Landessache, nicht Bundessache. (Verstimmung in Kärnten.)

Wendet sich den Produzenten zu, die verbotenes Saatgut in Umlauf gebracht haben. Schreibt einen Bescheid, wo er verbieten und strafen könnte, wie das Gesetz es vorsieht. Beklagt sich, dass das Gesetz, welches er nicht einsetzt, unnütz sei. Macht ein neues Gesetz, das es ihm erlaubt zu handeln, wie er es schon tut: Bescheide schreiben statt strafen.

Nein, die Nudelsuppe ist es wirklich nicht, auf der Haupt und seine Berater durch die Politik treiben. Es dürfte sich um eine dünnere Flüssigkeit handeln, die gerade noch trägt. Denn wer bei einem an sich harmlosen Thema schon so hilflos agiert, sollte allen Grund haben, sich vor wirklichen Krisen zu fürchten. Oder vor komplexeren Interessenverquickungen im Sozialbereich, die alle betreffen: etwa die Frage der Frühpensionen.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2001)

Share if you care.