"Die Kunst des Zitats"

1. August 2001, 19:25
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Diverse Wortmeldungen zum Thema Sound und Clubkultur

Weil andauernd selber denken gerade im posttoxischen Zustand eher mühsam ist, eröffnen wir, einem Wort der deutschen Band Fehlfarben folgend, mit einem Zitat. Dieses ist der Stadtzeitung Falter entliehen, in der sich der Presse-Musikkritiker Samir H. Köck über die Wiener Downtempo-Szene wie folgt äußert:

"Gähnende Ideenlosigkeit wird hier mit digitalen Klischees ornamentiert und solcherart kleinbürgerlich behübscht. Duckmäusertum findet seinen Soundtrack: dazu Herdentrieb und der österreichische Minderwertigkeitskomplex. Wäre ein Dorfmeister ein Weltmeister im Taschenbillard, würde der Ehrgeiz der Bastelbuben in diese Richtung gehen, und dann wären mehr Mädels frei. So aber wird die hundertste Ableitung der Ableitung einer Ableitung einer halben musikalischen Idee auf Vinyl gepresst."

Richard Dorfmeister legt am Freitag im Rahmen des Sequence Festivals in der Meierei im Stadtpark auf.
3. 8. Club Meierei, 1., Stadtpark. 22.00

File under: Sachen gibt's!
"Offizielle No Techno-Party" oder "This Flight Tonight" und "New Disease". Dazu DJ-Namen wie "Fleischi" oder "Hanzze". Entnommen sind diese Wortgeburten dem aktuellen Programm des Rock Pub in der Wiener Innenstadt. Nichts gegen Rockmusik. Echt nicht. Aber es geht auch mit Würde. Oder es geht nicht.
Rock Pub, 1., Gölsdorfgasse 2, täglich ab 19.00

Wenn der Sommer sich zäh und klebrig über die große Stadt legt, schwitzt der Mensch klarerweise lieber im Freien. DJs sind dann oft arme Menschen. Nix mit Sexgott-Dasein und willenlosen Groupies ohne Ende. Das pure Elend regiert! Während vor dem Lokal Hundertschaften dem fröhlichen Miteinander frönen, sitzt der DJ allein im Lokal und spielt sich seine eigenen Platten vor. Toll. Diese beschriebene Szene ist quasi ein Rhiz-Zitat. Genau so kann es sich dort nämlich verhalten, und als Draufgabe sitzt der Musikmensch dann auch noch für alle gut sichtbar in seinem Unglück: "Schaut ihn euch an: lieb. Wie in einem Terrarium. Klopf einmal gegen die Scheibe, schauen, ob er sich dann rührt." Danke. Da fehlt nur noch das "Bitte nicht füttern"-Schildchen. Doch es soll ja tatsächlich Menschen geben, die wegen Musik ausgehen. In diesem Fall empfehlen wir zum Beispiel der DJ-Lady Chillo zu lauschen.

Diese überraschte schon mehrmals mit raffinierten und trotzdem unverkrampften Sets im Bereich Elektronik mit Hirn. Also nicht nur Bumm-Bumm.

Zu überprüfen am Freitag im schon erwähnten Rhiz. Reingehen nicht vergessen!
3. 8. Rhiz, 8., Lerchenfeldergürtelbögen 37/38. 21.00
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 8. 2001)

Von
Karl Fluch

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