Volunteers, Rosen, Seilbahn

2. August 2001, 18:47
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So eine Leichtathletik-WM muss auch ordentlich geübt werden

Wenn am Freitag um 18.45 Uhr mit dem Marathon der Herren die achte Leichtathletik-Weltmeisterschaft gestartet wird, was in Mitteleuropa acht Stunden später und also am Samstag sehr frühmorgens passieren wird, dann hat sie auch schon stattgefunden. Quasi halt.

Am Dienstag bereits sind sie im Commonwealth Stadium Steeplechase gelaufen, wobei einige baden gegangen sind im Wassergraben, haben Kugeln gestoßen, die lustig aufsprangen, weil sie Bälle waren, haben so getan, als würden sie hochspringen mit dem Stab, haben vor allem aber auch so getan wie die Weltmeister tun, nachdem sie es geworden sind, also gejubelt, die Laufbahn abgeschmust, Kusshändchen geworfen, dem Gegner gratuliert. Freiwillig. Um Host Broadcaster CBC, dem kanadischen Fernsehen, das bei dieser Gelegenheit schon die Inserts der Echten darüberlegte, den Kampfrichtern und überhaupt der gesamten WM-Organisation Gelegenheit zum Üben zu geben.

In Nordamerika sind die Volunteers nicht wegzudenken von Großveranstaltungen, ob sie nun Skipisten präparieren, Eingänge kontrollieren, freundlich sind, fragen, wie es einem so geht, ob eh alles in Ordnung ist, Shuttlebusse chauffieren, Athleten begrüßen und einweisen oder selber welche mimen. 5000 Volunteers sind bei der WM in Edmonton beschäftigt (12.000 haben sich dafür beworben), junge und ältere Semester. Mittelalte wie David weniger. Der bekommt bezahlt wie alle, die die großen Busse durch die weitläufig in der Prärie ausgestreuten Stadt lenken, und er findet das jetzt gut so, schließlich will er sich bald einmal Wien anschauen. 1978, bei den Commonwealth Games in Edmonton, da war er auch Volunteer, das hat ihm sehr getaugt. Das Autogramm von Filbert Bayi, dem ehemaligen Weltrekordler über 1500 Meter aus Tansania, hat er noch zu Hause. Für Eishockey interessiert er sich übrigens nicht, und weil das den Fremden stutzig macht in der Stadt der Oilers, in der an jedem zweiten Eck ein Eisring steht, beteuert er gleich, dass er trotzdem ein waschechter Kanadier, ein echter Edmontoner aus der Provinz Alberta ist, in der die schönsten Wildrosen der Welt blühen und in der der Winter sechs Monate lang dauert.

Im Stadion wird noch gesägt, gebohrt, gehämmert, verlegt. Vor den Aufgängen zu den Tribünen hängen Schilder, die darauf hinweisen, dass eine Person nur zwei alkoholische Getränke bei sich tragen darf. Doppler?

Über dem Stadion rast eine Seilbahn hin und her, sie kommt aus Tullnerbach, wurde wie die in ihr geführte Kamera samt Schwingungsausgleich von der Firma brainsandpictures entwickelt. Zwei Österreicher und ein Engländer haben die Seilbahn hier aufgestellt, sie war schon bei einigen Universum-Filmen, Konzerten, Pferderennen in England, bei der LA-WM 1999 in Sevilla oder beim Tennisturnier in Paris im Einsatz. Und sie funktioniert klassisch: zwei Tragseile, ein Zugseil. Die Herren sind auch für die Bilder, die die Stadionkamera Nummer 19 der Regie liefert, verantwortlich.

Ganz besonders spannend wird für Rudi, der die Gondel per Funk steuert, der 100-m-Lauf. Sie haben ihn schon geübt. Die braven Volunteers jubelten so schön wie Maurice Greene. Nur nicht ganz so schnell.

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE)

Benno Zelsacher aus Edmonton
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