Frau mit Bart als Verunsicherung

1. August 2001, 19:26
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Bilder in der U-Bahn von Menschen zwischen den Geschlechtern

Wien - "Komm, da geh' ma weiter", sagt die Mutter zum Kind; der Kleine starrt auf das plakatierte Bild einer Businessfrau in einer nächtlichen City: Feminin gekleidet ist die, trägt hochhackige Schuhe und benimmt sich doch so unweiblich. Weil sie pinkelt, im Stehen, unter dem Rock hervor. Wie ein Mann: Die Mutter zerrt den Sohn davon.

Das sei "eine nicht untypische Reaktion" auf die seit Mittwoch an den Wänden der U4-Station Braunschweiggasse klebenden Fotos und Montagen, meint Christa Zauner, zusammen mit Michaela Göltl Organisatorin der "fe/male Plakatintervention". Erforsche das Dutzend Arbeiten europäischer und amerikanischer Fotokünstlerinnen doch "die Grenzlinie zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit".

Und den Raum, in dem beides verschwimmt: die Androgynität. Unübersehbar auf dem Foto "Jennifer Miller" von Annie Leibovitz: eine nackt auf einem Sessel sitzende Frau mit Bart. Oder subtiler, in Pez Hejduks "Mothers Finest"-Arbeiten: Bilder ihrer Mutter, auf dem Bahnsteig stadtauswärts "Vamp", Richtung City ganz "hartes Mannweib".

Die Bilder sind bis Ende August affichiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2001)
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