FP-Steiermark will 5000 Schilling "Prämie" für Hinweise auf Drogen- Dealer auszahlen

3. August 2001, 13:53
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Klubchef Lafer: "Aus Angst haben viele bisher geschwiegen"

Graz - Der steirische FP-Klubchef Franz Lafer will die Bevölkerung ermuntern, vermeintliche Drogendealer auszuspionieren. Mit 5000 Schilling "Prämie" sollen "Menschen ermutigt werden, ihren Verdacht gegen Personen, die mit Drogen dealen, zu äußern". Aus Angst hätten viele bisher geschwiegen, die Prämie, die mit Parteigeldern finanziert werden soll, könnte dies jedoch ändern, glaubt der Exekutivbeamte Lafer.

Vater dieser "Kopfgeld"-Idee ist nach eigenen Angaben der SP-Bürgermeister von Spittal an der Drau, Gerhard Köfer. Seit Einführung der Prämie in der Vorwoche verfüge er bereits über "fünf sehr konkrete Hinweise aus der Bevölkerung gegen Ausländer". Köfer: "Mein Modell ist für ganz Österreich gut, egal welche Partei es aufgreift." Die Drogenkonsumenten sind für den Bürgermeister kein Thema: "Wenn einer Drogen nimmt, ist der eh ein armer Teufel. Mir geht es um die Täter." Auch FP-Klubobmann Lafer findet, für Drogentherapie sei ausreichend gesorgt.

"Blockwart"-Mentalität

Scharf distanziert von seinem Parteikollege hat sich der frühere Fürstenfelder FP-Bezirksparteichef Harald Fischl: "Ob vielleicht die Ozonbelastung des heutigen Tages" für Lafers Aussage verantwortlich sei? Fischl wörtlich: "Feststeht, dass Herr Lafer offensichtlich die Geschichte nicht kennt". Sonst wüsste er, "dass es im Dritten Reich ähnliche Mechanismen gab, dort hießen sie einfach Blockwarte."

Auch die steirischen Grünen weisen Lafers Absichten zurück. Klubobfrau Ingrid Lechner-Sonnek betont, es gebe noch immer keine Therapieplätze für Drogenkranke in der Steiermark. "Und selbst wenn das so wäre", so Lechner-Sonnek weiter, "bleibt es sehr bedenklich, Menschen anzuspornen, einander auszuspionieren. Das geht in Richtung Selbstjustiz." (cms/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. August 2001)

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