Problem Jugendkriminalität

1. August 2001, 19:32
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Oberösterreichs minderjährige Täter erliegen Gruppendynamik

Linz/Eisenstadt - Im Vorjahr wurden in ganz Oberösterreich mit insgesamt 79.600 um zehn Prozent mehr strafbare Handlungen angezeigt als 1999. Dies geht aus dem oberösterreichischen "Kriminalitätsbericht 2000" hervor, der am Mittwoch in Linz vorgestellt wurde. Am stärksten zugenommen haben dabei die Delikte gegen Leib und Leben. 57,5 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden - ein Rückgang von 0,8 Prozentpunkten.

Im Burgenland liegt die Aufklärungsquote ebenfalls bei etwa 57 Prozent, die Zahl von Delikten gegen Leib und Leben (1991) habe leicht abgenommen. Dafür boomen typische Grenzdelikte wie Menschen- und Warenschmuggel oder Dokumentenfälschungen, so die ebenfalls Mittwoch vorgestellte Burgenland-Statistik. Allein am Mittwoch wurden wieder 24 illegale Grenzgänger aus Mazedonien und Afghanistan aufgegriffen - ihre Schlepper konnten aber nicht gefasst werden.

In Oberösterreich ist die Jugendkriminalität laut Alois Lißl, Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung, ein besonderes Problem: Sie sei zwar zahlenmäßig rückläufig, vielen der delinquenten 14-bis 19-Jährigen fehle bei der Begehung der Tat jedoch völlig das Bewusstsein, welche Konsequenzen diese nach ziehen kann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2001)

Die Geständnisse der Jugendlichen ließen auf extrem gruppendynamisches Verhalten schließen, so Lißl. Diebstähle etwa würden begangen, um sich dasselbe leisten zu können wie die Freunde. Es würden aber auch Straftaten als Mitläufer im Freundeskreis begangen, ohne sie als kriminell zu hinterfragen. Die Jugendlichen befänden sich bei ihren Fehltritten zudem nicht selten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Besonders zugenommen habe in Oberösterreich der so genannte Zechanschlussraub. Dabei handle es sich um "Rauschg'schichten": Betrunkene, die im Lokal mit ihrer Barschaft prahlen, würden im Anschluss auf der Straße dieser entledigt.

Im Burgenland sei die Exekutive vor allem mit illegalen Grenzgängern beschäftigt, so Sicherheitsdirektor Erhard Aminger. Allein im vergangenen Halbjahr seien 7500 aufgegriffen worden. Im Vorjahr gab es mehr als 1000 Fälle von Dokumentenmissbrauch, auch eine internationale Vignetten-Fälscherbande wurde ausgehoben. Zudem wurden 189 gestohlene Fahrzeuge sichergestellt, mehr als die Hälfte aller in Österreich nach Diebstählen wieder entdeckten Autos. (APA, etz)

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