Sommer, auf den Hund gekommen

1. August 2001, 20:08
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Drückende Hitze, Wärmegewitter, Ozonalarm - es ist alles da, was ein Hochsommer braucht.

Wien - Wenn im Freibadbassin kein Umfallen mehr möglich ist, wenn Ozonalarm gegeben wird, wenn die Autobahnbeläge aufplatzen, wenn statt Bier Mineralwasser getrunken wird - dann ist das Wetter auf den Hund gekommen. Die Sonne steht in der Nähe des Sirius, des Hundssterns; und die "Hundstage" (23. Juli bis 23. August) machen aus dem bloßen Sommer einen Hochsommer.

Die höchsten Hochsommertemperaturen wurden Mittwoch im Westen und Süden gemessen: In Innsbruck zeigte das Thermometer 31 Grad, in Klagenfurt 30 Grad und in Graz 32 Grad an. Dem Osten war indes eine kurze Schwitzpause vergönnt. Leichter Wind sorgte für relative Abkühlung - die jedoch nur kurz anhalten soll: Die Zentralanstalt für Meteorologie auf der Wiener Hohen Warte sagte für die kommenden Tage weiter steigende Temperaturen voraus. Am Freitag soll es Tageshöchsttemperaturen von bis zu 35 (in Worten: fünfunddreißig) Grad haben.

Mit dem Thermometer stieg in weiten Teilen Österreichs auch die Ozonbelastung. Für Wien, Niederösterreich und das Burgenland wurde die Vorwarnstufe (Werte über 200 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft) ausgelöst, in Salzburg wurde mit 180 Mikrogramm die EU-Informationsstufe erreicht. Auch in Vorarlberg wurde vom Umweltinstitut des Landes am Mittwoch auf eine erhöhte Ozonkonzentration hingewiesen, die Vorwarnstufe wurde nur knapp verfehlt.

"Ozonfreifahrt"

Die Vorwarnstufe dürfte laut Zentralanstalt für Meteorologie zumindest bis heute, Donnerstag, aufrecht bleiben. In einigen Gebieten sei sogar mit einem weiteren Anstieg der Werte zu rechnen. Die Wiener ÖVP und die Grünen forderten deshalb eine "Ozonfreifahrt" in allen Öffis.

Erhöhte Ozonwerte können zu Reizungen der Schleimhäute und zu Atembeschwerden führen. Vorsorglich sollten gefährdete Personen - Kinder mit überempfindlichen Bronchien und Menschen mit schweren Erkrankungen der Atemwege oder des Herzens - ungewohnte und starke Anstrengungen im Freien vermeiden. Spaziergänge, Picknicks oder Baden sind allerdings auch für gefährdete Personen unbedenklich.

An tatsächlichen Hitzeschäden leiden bereits Österreichs Autobahnen. Laut Asfinag (Autobahnen- und Schnellstraßen AG) haben Beton- und Asphaltoberflächen Oberflächentemperaturen von 80 Grad Celsius und mehr. Besonders bei älteren Autobahnen - so wie auf der Westautobahn A1 bereits geschehen - könne deswegen der Belag "aufplatzen".

Hitzebeeinträchtigungen anderer Art plagen indes die Brauindustrie: Die ideale Biertrinktemperatur liegt erfahrungsgemäß zwischen 20 und 26 Grad, darüber sind nur Kracherl und Mineralwasser angesagt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2001)

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