Primus-Online gilt als letzte Rettung für Lion.cc

1. August 2001, 19:42
1 Posting

Metro-Tochter bestätigt: "Es wird gerechnet"

Bei Lion.cc, der schwer angeschlagenen Internettochter der insolventen Buch- und Medienkette Libro, gilt die E- Commerce-Tochter der deutschen Metro-Gruppe, Primus Online, mittlerweile als letzte Rettung. Ein Primus-Sprecher bestätigte Übernahmegespräche: "Es wird geredet und gerechnet." Am Dienstag hatte die Telekom Austria-Tochter jet2web Internet endgültig abgewunken. "Wir zeigen Wohlverhalten und sind daran interessiert, dass Lion weitergeführt wird. Wir nehmen aber kein Geld in die Hand" sagte jet2web-Chef Eduard Zehetner zum Standard. Hintergrund ist, dass die Telekom Austria bei Libro bereits 1,3 Mrd. S versenkt hat.

"Fieberhafte Suche"

Libro-Vorstandssprecher Werner Steinbauer sagte, es werde bei Lion.cc "fieberhaft" nach einer Lösung gesucht. Der TA-Rückzug war ein "Rückschlag, aber es ist noch nicht zu Ende". Insider sagen, ginge Lion.cc in Konkurs, wäre auch der Ausgleich der Libro AG massiv gefährdet. Libro hält an Lion.cc 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent hält die deutsche WAZ-Gruppe (Krone, Kurier).

Für Spannung im Vorfeld der Hauptversammlung am nächsten Mittwoch ist also gesorgt. Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger (IVA) zeigt sich enttäuscht: "Unser Vorschlag über eine Vertretung im Aufsichtsrat ist immer noch nicht beantwortet. Nach zehn Tagen haben die Eigentümer nicht einmal reagiert. Das hätte ein mögliches Signal für Transparenz im Vorfeld der Hauptversammlung sein können."

Und Rasinger legt noch ein Schäuferl nach: So bleibe eine Chance, das Debakel aufzuarbeiten, ungenützt. (Michael Bachner, Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 2.8.2001)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.