Hamas will israelische Politiker ermorden

1. August 2001, 18:08
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Israels Regierung beharrt auf Angriffen gegen mutmaßliche Extremisten

Jerusalem/Nablus/Kairo - Nach der Attacke auf das Hamas-Hauptquartier von Nablus hatte der Fatah-Führer im Westjordanland, Hussein el Scheich, die vor mehr als sechs Wochen vereinbarte, aber nie eingehaltene Waffenruhe für beendet erklärt. Der Hamas-Mitbegründer Abdelaziz Rantizi forderte die verschiedenen Palästinenser-Gruppen auf, israelische Politiker direkt ins Visier zu nehmen. Hamas wolle die Eskalation so lange fortsetzen, "bis die Besetzung der Gebiete beendet ist", sagte er der französischen Zeitung "Le Monde". Israel hatte den Angriff in Nablus mit zahlreichen Terrorakten begründet, die die örtlichen Hamas-Führer gegen israelische Bürger verübt oder geplant hätten.

Ungeachtet massiver internationaler Kritik an der Liquidierung von sechs militanten Palästinensern in Nablus will die israelische Regierung die gezielte Tötung ihrer politischen Feinde fortsetzen. Während am Mittwoch in Nablus Zehntausende von Palästinensern bei einem Trauerzug für die insgesamt acht Opfer gegen den blutigen Angriff vom Vortag demonstrierten, beschloss die Regierung in Jerusalem, an ihrem harten Vorgehen festzuhalten. Gegebenenfalls sollten die Attacken auf mutmaßliche Extremisten noch verstärkt werden.

Sharon: Recht auf Selbstverteidigung

Angesichts des neuen Gewaltausbruchs beriet Ministerpräsident Sharon zusammen mit seinen engsten Ministern am Mittwoch mehr als fünf Stunden lang. Trotz der massiven Kritik, vor allem aus den USA, sprachen sie sich für eine Fortsetzung der "gezielten Ermordung von Terroristen" aus. Israel werde "sein Recht zur Selbstverteidigung weiter wahrnehmen", hieß es in einer nach der Sitzung verbreiteten Erklärung. Das Land wolle aber auch an den Plänen des ehemaligen CIA-Chefs George Tenet und des ehemaligen US-Senators George Mitchell für ein Gewaltende festhalten. Ein für Mittwoch unter CIA-Leitung angesetztes Sicherheitstreffen zwischen beiden Seiten wurde jedoch abgesagt.

Arafat warnt vor Verschlechterung der Lage

Palästinenserpräsident Yassir Arafat warnte nach einem Treffen mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak in Kairo vor weit reichenden Auswirkungen einer Verschlechterung der Lage im Nahen Osten. Er forderte die USA und die Europäische Union auf, in dem Konflikt zu intervenieren.

Der Gouverneur von Nablus rief zu einer Fortsetzung des Aufstandes bis zum Ende der israelischen Besetzung auf. "Unser Weg ist die Fortsetzung der Intifada (des Aufstandes) und die Beendigung der Besetzung", sagte der Gouverneur von Nablus, Mahmud Alul, auf der Trauerkundgebung. Seine Worte, dass am Vorabend fünf Palästinenser wegen Kollaboration mit Israel verurteilt worden seien, drei davon zum Tode, wurden mit minutenlangen Salven aus Gewehren begrüßt. "Hebt eure Kugeln auf, um euch gegen die Besetzung zu wehren", rief Alul den Demonstranten zu.

Die nach dem bisher schwersten israelischen Schlag gegen militante Palästinenser voll entbrannte Gewalt hielt auch am Mittwoch an. Im Westjordanland wurde bei fünf Zwischenfällen auf Israelis geschossen. Im Gazastreifen wurden in der Nacht zum Mittwoch mehr als 20 Mörsergranaten auf israelische Siedlungen geschossen. Fünf Israelis erlitten im Westjordanland Schussverletzungen. Auch die jüdische Siedlung Gilo bei Jerusalem lag erstmals seit mehr als zwei Monaten wieder unter Beschuss. Bei Bethlehem töteten maskierte Palästinenser einen Landsmann, den sie offenbar der Kollaboration mit Israel verdächtigten. (APA/dpa/Reuters)

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    foto: afpi/epa/nureldine
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