Studiengebühren: Kaum Auswirkungen auf Zahl der Studienanfänger

1. August 2001, 17:04
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Getroffen wird hauptsächlich "Studentenaltbestand"

Wien - Stark unterschiedlich werden die einzelnen Studentengruppen von der Einführung der Studiengebühren betroffen sein. Gröbere Auswirkungen dürfte die Maßnahme nur auf den "Studierendenaltbestand" der inländischen ordentlichen Hörer haben. Für diese Gruppe wird in der Studie "Weniger (Schein)Inskription - gleichbleibende Studienaktivität" mit einem Rückgang von 63.000 bis 65.000 Studenten gerechnet. Inländische Erstinskribierende werden hingegen kaum von einem Studium absehen.

Insgesamt rechnet die von Hans Pechar und Angela Wroblewski erstellte Studie an den wissenschaftlichen Universitäten ab dem kommenden Wintersemester statt mit 235.700 Studenten (ohne Gebühren) mit 163.070 (bei negativem Meinungsklima) bis 165.895 (bei positivem Meinungsklima) Studenten.

"Studierendenaltbestand"

Davon entfallen 110.000 bis 112.000 Personen auf den "Studierendenaltbestand" der ordentlichen, inländischen Hörer. Ohne Beiträge hätten hingegen 175.000 Studenten dieser Gruppe weiter inskribiert. Kaum Auswirkungen erwarten sich die Studienautoren dagegen bei den ordentlichen inländischen Erstinskribierenden: Dieser Anteil dürfte von 19.403 (ohne Studiengebühren) auf rund 17.500 (bei negativem Meinungsklima) bis 18.400 (bei positivem Meinungsklima) sinken. Etwas stärker sind die ausländischen Studierenden betroffen: Statt rund 27.900 wird es auf Grund der Einführung von Gebühren nur 23.700 geben. Ebenfalls nur marginale Änderungen bei den außerordentlichen Hörern: Ihre Zahl dürfte statt rund 13.400 nur 11.800 betragen.

Generell gehen die Autoren davon aus, dass v.a. jene Studierende das Universitätssystem verlassen werden, die derzeit keine Studien- oder Prüfungsaktivität an den Tag legen. Es sei dabei anzunehmen, dass es sich in vielen Fällen um Studenten handelt, die durch die Einführung von Gebühren eine wahrscheinlich später erfolgte Entscheidung zum Studienabbruch vorziehen würden. Dies sind vor allem Studenten, die in zunehmendem Maß berufstätig wurden, sowie Studenten mit Kindern.

Kaum Auswirkungen hat die Einführung von Studiengebühren auf die Kunstuniversitäten. An diesen gebe es bereits Eingangsselektionen nach dem Kriterium des künstlerischen Talents, wobei die Zahl der Bewerber die Anzahl der Plätze zum Teil erheblich übersteige. Außerdem kämen zahlreiche Studenten an den Kunstunis aus dem Ausland, für die vor allem die Qualität und nicht das Gebührenargument entscheidend sei. Selbst wenn ökonomische Barrieren wirken sollten, werde sich höchstens das Verhältnis zwischen Bewerbern und verfügbaren Plätzen ändern, nicht aber die Zahl der Studierenden an den Kunstunis. (APA)

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