Investment mit Maschinen und Modellen

1. August 2001, 16:59
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Hubert Goyé, von BNP Paribas Asset Management, zu quantitativen Investment Management Ansätzen für die USA

e-fundresearch/München: Herr Goyé, es gibt eine Vielzahl von Strategien, die quantitative Methoden zur Entscheidungsfindung verwenden - was verstehen Sie unter "quantitativem Management"?

Hubert Goyé: Wir verstehen darunter eine "quantitative Investmentstrategie", die auf einer disziplinierten Umsetzung von präzise definierten Regeln, bzw. einem Modell, basiert. Quantitative Marktdaten als Input führen direkt zu bestimmten Anlageempfehlungen.

e-fundresearch/München: Wie würden Sie die Philosophie dahinter beschreiben?

Hubert Goyé: In hocheffizienten Märkten wird es für aktive Manager zunehmend schwierig ihr Ziel, die Outperformance des Index, zu erreichen. Deshalb ist es unserer Ansicht nach notwendig, die Intuition des Fondsmanagers zu strukturieren und Emotionen möglichst auszuschalten. Der Fondsmanager kann sich dadurch auf diejenigen Faktoren konzentrieren, die für die Erzielung einer Top-Performance entscheidenden Einfluß haben.

e-fundresearch/München: Aber ist nicht gerade die Intuition des Fondsmanagers ein wichtiger Faktor?

Hubert Goyé: Sicherlich, jeder Investmentprozeß ist eine Kombination von Fondsmanager Entscheidungen, die auf quantitativen Daten basieren und solchen, die der Grundlage von persönlichen Einschätzungen des Fondsmanagers getroffen werden. Wir glauben allerdings, daß es von Vorteil ist, den Einsatz der quantitativen Daten zu optimieren als sich alleine auf die subjektiven Entscheidungen des Managers zu verlassen. Der Einfluß von Emotionen sollte möglichst reduziert werden.

e-fundresearch/München: Sie setzen also mehr auf Maschinen und Modelle?

Hubert Goyé: Quantitative Modelle und Rechnerleistung helfen uns, die Grenzen des menschlichen Einschätzungsvermögens in komplexen Situationen auszudehnen. Vor allem die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Rechner ist größer - und, wie bereits erwähnt, frei von Beeinflussungsmöglichkeiten. Weiters haben wir die Möglichkeit quantitative Modell mit Daten der Vergangenheit zu füttern und nochmals zu testen.

e-fundresearch/München: Für welche Märkte bieten Sie quantitative Strategien an?

Hubert Goyé: Wir bieten derzeit zwei Fonds an. Der PARVEST USA Quant, dem der S&P 500 Index als Benchmark zugrunde liegt. Für den PARVEST Japan Quant wird der Nikkei 300 als Vergleichsindex verwendet. Wichtig ist, daß quantitative Strategien nur in hochentwickelten und liquiden Märkten angewandt werden können. Wir betreiben umfangreiches Research und prüfen die Einsatzmöglichkeiten in anderen Märkten, vor allem auch in Europa.

e-fundresearch/München: Wie treffen Sie nun Ihre Veranlagungsentscheidungen?

Hubert Goyé: Obwohl für beide Länder verschiedene Modelle eingesetzt werden, ist der Investmentprozeß grundsätzlich gleich. Zuerst reiht das Modell die Aktien nach ihrer Attraktivität und erstellt danach eine Kauf- und Verkaufsliste. Diese Ergebnisse werden vom Team - Fondsmanager und Analysten - überprüft und danach in ein Modellportfolio übergeleitet. Dieses wird dann umgesetzt.

Wichtig ist vor allem die Definition des Investmentuniversums, aus dem die Aktien ausgewählt werden können. Aktien müssen bestimmte Kriterien erfüllen, wie beispielsweise: Marktkapitalisierung, Liquidität, Sektorzugehörigkeit, usw.

e-fundresearch/München: Trauen Sie Ihren Modellen vollständig?

Hubert Goyé: Jede Investmentempfehlung wird überprüft. Vor allem ist uns wichtig, daß wir die Gründe für die Ergebnisse verstehen. Keiner der wichtigen Risikofaktoren darf unberücksichtigt bleiben. Grundsätzlich hat der Fondsmanager jedoch wenig Spielraum, die Umsetzung der Modellergebnisse zu ändern.

Wenn dann alle Empfehlungen überprüft wurden und wir alle Einflußfaktoren verstehen, werden die Empfehlungen in den Fonds umgesetzt. Dabei werden von den Händlern verschiedene Techniken eingesetzt. Gemessen wird die Umsetzung der Händler am VWAP - Volume Weighted Average Price, d. h. dem mit Volumen gewichteten Durchschnittspreis aller Transaktionen in einer bestimmten Aktie. Eine optimale Umsetzung der Käufe und Verkäufe im Fonds ist uns wichtig.

Anpassungen im Portfolio erfolgen kontinuierlich. Der Fonds besteht aus genau 50 Aktien mit 2 % Gewichtung. Portfolioanpassungen, d. h. Käufe und Verkäufe von Aktien im Fonds können grundsätzlich täglich erfolgen. Vor allem dann, wenn die Gewichtungen mehr als 0,35 % über oder unter den 2 % Gewichtung liegen. Auf Monatsbasis werden die einzelnen Gewichtungen der Fonds genau analysiert.

e-fundresearch/München: Können Sie den Entwickler Ihrer Modelle nennen?

Hubert Goyé: Das BNP Paribas Quant Team entwickelt in-house. Aus Gründen der Qualitätskontrolle und Vertraulichkeit gehen wir diesen Weg.

e-fundresearch/München: Gibt es nicht bei quantitativen Modellen immer das Risiko, daß die Realität ganz anders aussieht als die perfekten Back-tests?

Hubert Goyé: Das wäre ein Risiko, wenn der Test-Zeitraum kurz wäre - einige Jahre nur. Gute Back-tests müssen über mehrere Wirtschafts-Zyklen hinweg vorgenommen werden. Nur dadurch kannn man sicherstellen, daß alle möglichen Situationen berücksichtigt werden. Für USA und Japan haben wir die meisten Indikatoren unserer Modelle über mehrere Jahrzente getestet.

e-fundresearch/München: Verbessern Sie Ihre Modelle im Lauf der Zeit?

Hubert Goyé: Es sind eher regelmäßige Updates als revolutionäre Änderungen. Es werden laufend bessere Methoden mit ständig steigender Rechnerleistung getestet.

e-fundresearch/München: Womit füttern Sie Ihre Modelle? Wie sammeln Sie die Daten? Sind das frei verfügbare Daten oder auch eigene Prognosen und Einschätzungen?

Hubert Goyé: Für jeden Markt managen wir unsere eingenen Datenbanken. Natürlich verwenden wir externe Datenquellen - die werden jedoch genau geprüft. Nur gute Daten können zu guten Ergebnissen führen.

e-fundresearch/München: Wir lange setzt BNP Paribas bereits diese quantiativen Techniken ein?

Hubert Goyé: BNP Paribas hat bereits über 15 Jahre Erfahrung mit quantitativen Investmentstrategien.

e-fundresearch/München: Wie hat sich die volatile Entwicklung der Technologieaktien im letzten Jahr auf das USA Modell ausgewirkt? Welche Faktoren haben Sie vor großen Verlusten verschont und mußten Sie Anpassungen im Modell vornehmen?

Hubert Goyé: In den letzten beiden Jahren wurden einige graduelle Anpassungen des Modells vorgenommen - keine bedeutenden Veränderungen der Modellstruktur. Die Überbewertungen der Technologieaktien wurde bereits frühzeitig von den Modellen angezeigt. Dadurch waren wir bereits 1999 in diesem Sektor untergewichtet. Anfang 2000 wurden dann auf Basis des Modells Energieversorger stärker gewichtet. Von Mai 2000 - Juni/Juli 2000 wurden die angesprochenen Verbesserungen des Modells mit den Erfahrungen der Monate davor durchgeführt.

Analyse

BNP Paribas verfolgt mit diesem aktiven quantitativen Konzept einen sehr klar strukturierten Investmentansatz mit dem Ziel einer Outperformance des S&P 500 Index um 1-2 % p. a. Das Investmentuniversum umfaßt 550 Aktien, wovon 400 Aktien des S&P 500 darunter sind. Der Tracking Error beträgt 6-8 % p. a. Der Fokus ist eindeutig auf Large Caps.

In Japan war durch die extrem verzerrte Marktentwicklung der Erfolg noch nicht so durchschlagend. Für den US Markt konnte sich dieses Modell bereits sehr gut bewähren und war in den letzten Jahren ein nachhaltiger Erfolg. Das Fondsvolumen des PARVEST USA Quant liegt derzeit bei über USD 1 Mrd.

In Kooperation mit
  • Artikelbild
    foto: e-fundresearch.com
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