YLine will IBM klagen

2. August 2001, 16:00
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Sinkflug des Aktienkurses geht weiter - Analysten: YLine-Geschäftsmodell gescheitert

Wien - Die verkrachte Ehe zwischen der YLine Internet Business Service AG und IBM ist offensichtlich nach einem kurz aufkeimenden Flirt nicht mehr zu retten. Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Begleichung der Altlasten aus einer Technologiepartnerschaft sind offensichtlich gescheitert.

Wind gedreht

Nun hat sich der Wind gedreht. YLine, das bei IBM noch mit 14 Mio. Euro (192,64 S) in der Kreide steht, will ab sofort die Zahlungen der Restschulden einstellen, heißt es heute in einer Aussendung von YLine. Im Gegenzug droht YLine "Big Blue" sogar mit einer Klage. Grund: IBM wird Vertragsbruch, die missbräuchliche Verwendung der marktdominiernden Stellung sowie die Anwendung von unfairen Geschäftspraktiken vorgeworfen. 42 Mio. €<-> (577,93 Mio. S) will sich YLine im Rechtsweg in die ausgedünnte Kasse zurückholen.

Im Mai 2001 soll IBM YLine aufgefordert haben, eine Vereinbarung zu unterschreiben, mit der die Restschuld in Höhe von 14 Mio. € abgesichert werden sollte.

Die an der Technologiebörse Nasdaq Europe in Brüssel und an der Wiener Börse notierten YLine-Aktien wurden von Montag bis Mittwoch morgen acht Uhr vom Handel ausgesetzt. YLine und der Brüsseler Börsenvorstand hatten dies so vereinbart. YLine wollte eine "weitreichende Partnerschaft" kolportieren. IBM Österreich will die "Anschuldigungen prüfen" und abwarten, bis eine Klage eingereicht wird. Die Technologiepartnerschaft wurde im übrigen 1998 unter IBM-Generaldirektor Günter Pridt besiegelt, der im November 2000 zur Yline wechselte, aber YLine nach einem halben Jahr wieder verließ.

"Schlechte Nachrichten"

"Schlechte Nachrichten", lautet der Kommentar mehrere Analysten, die sogar befürchten, dass die Zahlungsfähigkeit von YLine auf dem Spiel stehe. "Ein Flucht nach vorn" sei die Klage, womit sich die Wiener Softwarefirma retten will. Das Geschäftsmodell sei gescheitert, sagte ein Analyst dem _Standard. Sollte IBM die Schulden sofort zurückfordern, könnte die YLine die umgehende Insolvenz. Diese könnte dann nur noch vom US-Fond Navigator abgefangen werden, von dem YLine kurzfristig acht Mio. € abschöpfen könnte. Rund 30 Prozent der Aktien gingen in diesem Fall an den US-Fonds.

Am Mittwochvormittag befürchtete YLine-Pressechef Willi Berner, dass die Aktie erst wieder am Donnerstag, also ein Tag später als geplant, gehandelt werde. Die von der Nasdaq Europe geforderte Mitteilung musste noch nachgebessert werden.

Aktie im Keller

Mit rund dreistündiger Verspätung wurde der Handel der YLine-Papiere in Brüssel gestern fortgesetzt. Bis um 14.30 Uhr stürzte der Kurs um rund 50 Prozent auf 2,50 € in den Keller. (Thomas Jäkle, DER STANDARD, Printausgabe 2.8.2001)

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